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ArchFilm Matinée

Die Architekturfilm-Reihe am Sonntag Nachmittag im



Filmcasino | Margaretenstr. 78 | 1050 Wien
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Die ArchFilm Matinée-Reihe wird vom renommierten Architekturhistoriker Helmut Weihsmann ("Das rote Wien", "In Wien erbaut") kuratiert und findet im Sommer- und Wintersemester monatlich im Filmcasino statt. Im Mittelpunkt stehen Dokumentar- und Essay-Filme über Architektur (zu einem guten Teil Erstaufführungen), die zum Teil von Diskussionsrunden prominenter ArchitektInnen und FilmemacherInnen oder einem Vortrag begleitet werden. Begonnen wurde die Reihe im Frühjahr 2005 mit "My Architect". Die Filmreihe ist heute ein fixer Bestandteil der öffentlichen Diskussion über Architektur geworden und bietet Kunst- und Filminteressierten einen gemeinsamen Anknüpfungspunkt.

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IG Architektur | Architektur aktuell






Zyklus „Traumhäuser – Schick & Schön“


 
Die in dieser Filmschau schmackhaft präsentierten „Fallbeispiele“ einer individuellen Wohnkultur zeigen nicht nur ein breites Spektrum an Baustilen und extravagante Einrichtungen in verschiedenen Regionen und Kulturen der Welt, sondern auch „Gegenwelten“ von ihren unangepassten Bewohnern und exzentrischen Gestaltern. Diese sog. „Traumvillen“ der Reichen und Schönen verkörpern nicht nur einen Luxus und materiellen Überschuss, sondern sie verraten auch die individuelle Ansichten der Architekten, die eine spezielle Perspektive auf die zeitgenössische Architekturszene werfen. Zum einen richtete sich der Protest gegen die Konventionen und Gebräuche der tradierten Wohnkultur, zum anderen war es ein Spleen bzw. Schrulle der Avantgarde sich progressiv zu geben. Das Paradigma von einem entspannten und „befreitem“ Wohnen wuchs gerade in der amerikanischen Gegenkultur enorm an und gestaltete sich als Alternative bzw. Gegenvorschlag bei der Gestaltung einer sog. „radical chic“ Kultur im globalen Maßstab einer Trans-Avantgarde-Bewegung in der Spätmoderne des 20. Jahrhunderts. Wenn man die Grundelemente der Avantgarde und ihre provokante Haltung gegenüber das bürgerliche Establishment betrachtet, kokettieren gerade ihre prominentesten Protagonisten sowie deren Mitläufer gelegentlich auch mit der unernsten Provokation und kulturelle Divergenz der Protestkultur des „radical chic“. Parallel formte sich in den Hochschulen und Akademien eine sog. „radikale Pädagogik“ und Strategie gegenüber dem überheblichen Establishment als Reaktion zu der traditionellen Lehre und Vermittelung von Architektur und Design. Diese vierteilige Filmreihe soll ferner eindrucksvoll belegen wie bunt und vielfältig wie gerade das Durcheinander an Stilen und Entwürfe der weniger bekannten Architekten der „Randkultur“ zu einer vielfältigen, fantasievollen und übernationalen Architektur- und Ideengeschichte der Spätmoderne beigetragen haben.

Moderation: Helmut Weihsmann (Kurator).



So 17. Sep. 2017, 13 Uhr

SÉRGIO BERNARDES –  BRAZILIAN ARCHITECT

R: Paulo De Barros / Gustavo Gama Rodrigues | BRA 2014 | 92 Min | OmeU


Einst berühmt, gefeiert und doch heute vergessen: Als schillernde Persönlichkeit der High Society war der brasilianische Architekt Sérgio Bernardes (1919-2002) einst eine feste Größe in der Architekturszene seiner Heimat. In seiner späteren Karriere wandte sich Bernardes von der Dekadenz der bürgerlichen Gesellschaft ab und widmete sich der Lösung der Sozialprobleme und Armut der Welt durch seine fortschreitende Hingabe an einer progressiven gesellschaftlichen Architektur und Sozialutopie. Diese links-populistischen Haltung führte ihn dazu, mit der Militärdiktatur zu kooperieren im Glauben die Regierungspolitik institutionell zu reformieren. Das Ergebnis war eine Reihe von Kompromissen und erfolglose Versuche, die ihn unbeliebt machten und vom Ausland ignoriert wurden. Nur wenige erinnern sich heute an ihn, der in den Nachkriegsjahren zu einem der schillersten Persönlichkeiten der brasilianischen Moderne gehörte. Kollegen wie Oscar Niemeyer und Richard Buckminster Fuller arbeiteten mit dem Workaholic und Lebemann, der in nur einem Monat bis zu 25 Wohnhäuser und Nobelvillen entwarf.



So, 15. Okt. 2017, 13 Uhr

MORIYAMA SAN
R: Ila Bêka & Louise Lemoine | F 2017 | 63 Min | ÖE


Bekannt geworden ist das japanische Studio SANAA durch relative kleine und ungewöhnliche Wohnbauten in Tokio, die durch ihre Raumkonzepte und Einsatz avancierter Raumerlebnisse fern aller Wohnklischees bestechen. Der preisgekrönte Porträtfilm der ironischen Filmemacher Ila Bêka und Louise Lemoine über das provokante Wohn- und Atelierhaus des Free-Jazz-Musikers Moriyama, entworfen von dem Architektenpaar Ryue Nishizawa & Kazuyo Sejima im Bezirk Shinagawa von Tokio ist amüsant und zugleich respektlos gegenüber einer gefällig schicken Ästhetik den damit verbundenen Werten eines sogenannten, „schöner wohnens".




So, 15. Okt. 2017, 13 Uhr

A TROPICAL HOUSE
R: Karl-Heinz Klopf | AT/INO 2015 | 51 Min |  OmdU


Nach dem formal strengen Aufbau seines Vorgängerfilms TOWER HOUSE macht der Filmemacher Karl-Heinz Klopf mit A TROPICAL HOUSE erneut eine Studie in statischen totalen und halbtotalen Einstellungen über das singuläre Eigenheim des indonesischen Architekten Andra Matin (geb. 1962), einem neuen Vertreter der regionalen Strömung einer „Tropischen Moderne“. Das Bauwerk befindet sich nahe Jakarta in dem noblem Vorort Bintaro. Das ganze Bauensemble von Haus und Garten scheint trotz seines physischen Gewichts und statischer Erdverbundenheit geradezu in der Luft zu schweben. Das Haus ist offen und luftig. Die ruhige Filmstudie besteht fast zur Gänze aus statischen Totalen bzw. Halbtotalen komponiert. Der Innen- sowie Außenraum der Gartenvilla wird Schritt für Schritt und Ebene für Ebene aus einer Vielzahl von Blickwinkeln der Kamera erschlossen. Das vermeintlich einfache Gebäude wird somit zu einem Gegenstand einer konzentrierten Meditation für den Betrachter, der gleichzeitig Zuschauer, Beobachter ist, vor dessen Augen sich die sorgfältig entworfenen Räumlichkeiten entfalten.

In Anwesenheit von Karl-Heinz Klopf.




So 12. Nov. 2017, 13 Uhr Mit den Filmen:


IL GIRASOLE – UNA CASA VICINO À VERONA

R: Christof Schaub | CH 1995 | 17 Min | Farbe | OF


Das von leisen Elektromotoren angetriebene „bewegliche Haus“ ist ein seltenes Unikum als Manifest (oder ein Nachbote) des italienischen Futurismus. Eine sehr ästhetische und stimmungsvolle Baumonographie über ein außergewöhnliches Bauexperiment der 1930er Jahre. Zwischen 1930 bis 1935 realisierte der Genueser Bauingenieur Angelo Invernizzi (1884-1958) gemeinsam mit dem gleichaltrigen Architekten Ettore Fagiuoli (1884-1961) und einem talentierten Mechaniker in Marcellise unweit von Verona den futuristischen Traum von einem beweglichen Haus (Casa girasole heißt „Sonnenblumenhaus“), dessen ausgeklügelte Mechanik und „arrier plan“ der Betonweise als ein gebautes manifest des Futurismo gilt. Dieses bislang eher unbekannte Werk der Moderne ist ein silbrig glänzende Wohnmaschine auf einem riesigen, rundlichen Unterbau inmitten eines verzauberten Weinbergs. In seinem Inneren befindet sich ein Motor, der das Rundhaus 360 Grad langsam um die eigene Achse zu drehen vermag und immer wieder Aus- und Einblicke erlaubt. Die Villa folgt dem Tageslauf der Sonne oder den Ausblicken in die liebliche Landschaft.

In Anwesenheit von Christoph Schaub (Zürich).




HOUSELIFE – MAISON À BORDEAUX
R: Ila Bêka/Louise Lemoine | FR 2008 | 52 Min | Farbe | OmU


Die sorgfältig ausgesuchten, liebevoll zubereiteten, trotzdem nüchternen und zuweilen auch bissig analysierten „case studies“ (Fallbeispiele) der zeitgenössischen Architektur standen für das bekannte franco- italienische Filmemacherpaar Ila Bêka und Louis Lemoine jeweils im Zentrum ihrer witzigen Erkundigungen über jene auffällige moderne Bauwerke, die ihren vermeintlichen Medienrummel und Zenith der Rezeption längst überschritten hatten und mittlerweile die Gebrauchsspuren des natürlichen Alterns aufweisen, wobei die Planungsfehler, die unpraktische Seiten oder Tücken des Entwurfes und der materielle Verschleiß der Bauten nicht spurlos an ihnen vorüber gingen. Filmautor Ila Bêka meint, dass genau „die zeitliche Komponente, die das Gesicht und den Körper eines lebendigen Baukörpers tiefgreifend verändert oder seine Spuren hinterlässt prägt unsere heutige Wahrnehmung“. Gemeinsam mit einem Buch entstand dieses witzige Selbstportrait über das ikonische Maison à Bordeaux (1998) vom berühmten Baukünstler Rem Koolhaas. Unbedingt sehenswert!




So 17. Dez. 2017, 13 Uhr

LA GRANDE BELLEZZA
- DIE GROSSE SCHÖNHEIT
R: Paolo Sorrentino | IT/FR 2013 | 141 Min | Farbe | OmU
Mit: Toni Servillo, Carlo Verdone, Sabrina Ferilli, Carlo Bucciorosso u.a.


Der zynisch wie auch polemische Spielfilm über die dekadente Gesellschaft des Geldadels und Schickeria porträtiert humorvoll pointiert die römische Oberschicht und ihre angeberische Promis sowie Adabeis („rich and famous“), die sich selbst hoch loben und nicht zu bemerken scheint, dass ihre goldenen Tage längst gezählt sind. In leicht melancholischer Art und Weise glänzt der Film mit einer Fülle von filmischer Miniaturen über Sinn und Sinnlosigkeit des Daseins inmitten üppiger Dekors und modernen Design. Zugleich ist Le Grande Bellezza eine zeitgenössische Hommage auf Fellinis La Dolce Vita, die hinter aller oberflächigen Schein und Pracht nach Momenten erfüllter Präsenz und Wahrhaftigkeit im sog. „schönen“ und „richtigen Leben“ sucht.



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