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ArchFilm Matinée

Die Architekturfilm-Reihe am Sonntag Nachmittag im



Filmcasino | Margaretenstr. 78 | 1050 Wien
>>> Zur Website: www.filmcasino.at



Die ArchFilm Matinée-Reihe wird vom renommierten Architekturhistoriker Helmut Weihsmann ("Das rote Wien", "In Wien erbaut") kuratiert und findet im Sommer- und Wintersemester monatlich im Filmcasino statt. Im Mittelpunkt stehen Dokumentar- und Essay-Filme über Architektur (zu einem guten Teil Erstaufführungen), die zum Teil von Diskussionsrunden prominenter ArchitektInnen und FilmemacherInnen oder einem Vortrag begleitet werden. Begonnen wurde die Reihe im Frühjahr 2005 mit "My Architect". Die Filmreihe ist heute ein fixer Bestandteil der öffentlichen Diskussion über Architektur geworden und bietet Kunst- und Filminteressierten einen gemeinsamen Anknüpfungspunkt.

unterstützt von

           

IG Architektur | Architektur aktuell



Sonntag 15. & 29. Jänner 2017
OUT OF INDIA
An zwei Sonntagen im Jänner steht die faszinierende moderne Architektur Indiens im Zentrum des Filmprogramms. Spuren der alten Traditionen mischten sich mit den modernen Einflüssen des Westens. In vier Filmen – allesamt österreichische Erstaufführungen – werden u.a. die herausragenden Bauten von Balkrishna Vithaldas Doshi (geb. 1927), Charles Correa (1930-2015) und Raj Rewal (geb.1934) vorgestellt. Die Arbeit Le Corbusiers in Indien wird ebenso beleuchet: Der französische Stararchitekt wurde 1951 vom indischen Premierminister Nehru mit dem Bau des neuen Regierungssitzes Chandigarh beauftragt, einer Modellstadt am Fuße des Himalayas. Einführung von Helmut Weihsmann (Kurator).

In Zusammenarbeit mit




So 15. Jänner 2017, 13 Uhr

OUT OF INDIA 1: MODERN ARCHITECTURE IN INDIA






Mit den Filmen:

BALKRISHNA V. DOSHI
-
Architecture without adjectives
 
R:
Premjit Ramachandran | Indien | 2009 | 74 min | Farbe | engl. OF | ÖEA



Der Architekt, Urbanist, Humanist und Erzieher Balkrishna V. Doshi bleibt bis heute einer der angesehensten Namen in der indischen Architektur der Gegenwart. Die archaisch wirkenden Bauten und am „mantra“ und „tantra“ orientierte Projekte von Doshi, der im Büro von Le Corbusier bereits beim Aufbau der Stadt Chandrigarh mitarbeitete und seit den 1950er Jahren in Ahmedabad beheimatet ist, zeigen sowohl seine humane, ausschließlich anthroposophisch ausgeprägte Haltung und die multikulturelle Berufsentwicklung seiner langen Karriere, beginnend mit frühen Experimenten, zum einen bei der Anwendung der Lehren der modernen Architektur im regionalen Kontext und zum anderen auf das zunehmende Interesse an der althinduistischen Mystik, einer spirituellen Heilslehre (Karma) und einer regionale Bautradition mit sozialem und urbanen Vielfalt.

Zu Wort kommen in diesem Porträt auch Kollegen Bimal Patel und Sanjay Mohe.





VOLUME ZERO - Works of Charles Corerra
 
R: Arun Khopkar
| Indien | 2008 | 59 Min | Farbe | engl. OF | ÖEA
.


Charles Correa (1930-2015) aus Südindien war eine internationale Koryphäe der zeitgenössischen Staatsarchitektur von Indien. Er gründete eine „Bauschule“ in Mumbai und produzierte gleich mehrere Identitätsstiftende Regierungs-, Schul- und Verwaltungsgebäuden für den modernen Staat, die auch fest verwurzelt waren in der Lokaltradition des jeweiligen Bundesstaates. Seine pittoresken Bauten in Jaipur, Ahmedabad, Hyderabad, Goa, Chennai, Mumbai, Delhi, schafften es auch die reichhaltige und pluralistische Kultur des Landes symbolisch und zeichenhaft zu widerspiegeln bzw. repräsentieren. Das Design des Komplexes Bjarat Bhavan („India House“) in Bhopal ist ein Produkt der kulturellen und architektonischen Vielfältigkeit des Landes. Doch die spezifische Strategie des Projektes einer staatlichen Institution im Sinne eines politischen Auftrags zur „Nation-Building“ unterscheidet sich wesentlich von einer post-kolonialistischen Nachkriegsmoderne insofern Correa auf uralte Prinzipien und Bauweisen der „tantra“ und „vaastu“ setzte.





So 29. Jänner 2017, 13 Uhr

OUT OF INDIA 2: LE CORBUSIER
- VOYAGES D’INDE DU NORD






Mit den Filmen:

MODERN SPACE, INDIAN LIGHT
 
R: Manu Rewal
| Indien | 2001 | 8 Min | Farbe | OmenglUT | ÖEA



Bei dieser Gegenüberstellung von einer westlich und modern beeinflusste Architektur und dem traditionellen Lokalkolorit der bodenständigen Materialen, Technologe und  Erbe einer uralten Kultur bietet der Querschnittsfilm einen informativen Überblick über die zeitgenössische Moderne Architektur des Indien. Mit  Kommentaren von A.G.L. Menon, Rajesh Ranganathan, Prem Chandavarker, Bimal Patel, Sanjay Mohe, Louis Kahn und  Raj Rewal.




 

Le Corbusier in India
- Ahmedabad & Chandigarh
 

R: Manu Rewal | Indien
| 2001 | 100 Min | Farbe | OmenglUT | ÖEA


1947 wurden Indien und Pakistan aus dem britischen Kolonialreich in die Unabhängigkeit entlassen, was mit einer neuen Grenzziehung zwischen beiden Staaten verbunden war. Lahore, die Hauptstadt im Nordwesten Indiens fiel an Pakistan, worauf Indien für den Punjab die Errichtung eines neuen Regierungssitzes beschloss. Als Standort wählte man ein Gelände am Fuße des Himalaya in direkter Nachbarschaft zum Dorf Chandigarh dessen spirituelle Name man auf die neue Stadt in der Wüste übertrug. 1951 beauftragte Nehru dann den berühmten französischen Architekten Le Corbusier zur Mitarbeit an einem ambitionierten Projekt, dem Bau seiner Modellstadt und Indiens größtem postkolonialen Städtebauprojekt. Weil Altmeister Le Corbusier das Vertrauen der indischen Regierung unter dem damaligen Premierminister Nehru genoss, konnte er gleich mehrere wichtige Projekte in Indien realisieren. Darunter waren mehrere Villen für höhere Ministerialbeamte, ein monumentales Verwaltungs- und Bürogebäude des Spinnereiverbandes, ein Schulbau und ein Museum für zeitgenössische Kunst in Ahmedabad sowie die gesamte Stadtplanung für die neue Provinzhauptstadt Chandigarh in Punjab mitsamt einiger Regierungsgebäuden (Parlament und Justizpalast).

Architektonisch und städtebaulich einer der kühnsten Planstädte des 20. Jahrhunderts, wurde die Musterstadt Chandigarh allerdings noch in einer archaischen Weise mit Schubkarren und buchstäblich von Hand erbaut. Das ortsübliche Baumaterial Ziegel und Bimsbeton ließ eine vertikale Entwicklung der Gebäude nicht zu, sodass Chandigarh eine offene Gartenstadt in Flachbauweise mit breiten Straßen und großen Versammlungsplätzen wurde.




12. Februar 2017
Unter den lateinamerikanischen Ländern war Mexiko und Brasilien die ersten und wichtigsten modernen Staaten, die sich kritisch und kreativ mit den Positionen und Postulaten des „Internationalen Stils“ auseinander gesetzt haben und ihre Version einer „tropischen Moderne“ schuf. Der Protest sowohl gegen die althergebrachten euro-zentrischen Bauformen als auch die akademische Architekturlehre fand ihren ersten Niederschlag sowohl in den frühen (neo-plastischen) Arbeiten von Félix Candela, Juan O’Gorman, Luis Barragán als auch bei beiden deutschen Baukünstler Max Cetto und Mathias Goeritz in Mexiko. Neben den früheren kubisch-kargen Bauten von Gregori Warchavchik oder Rino Levi, waren Lúcio Costa, Oscar Niemeyer und Affonso Eduardo Reidy die Protagonistin einer „Neuen Welle“ in der brasilianischen Architektur parallel zum „Bossa Nova“ nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Entwicklung einer eigenständig modernen Architektur in Brasilien ging unter besonders günstigen Bedingungen vor sich, wobei die intellektuelle und künstlerische Elite des Landes zur einer liberalen Kulturbewegung formierte, der sich der Gartenarchitekt Roberto Burles Marx, die geborene Ungarin Marta Pan und die Neo-Brasilianerin Lina Bo Bardi anschloss und wesentlich mit gestaltet hat.

In Anwesenheit von Belinda Rukschcio (Berlin) und Judith Augustinovic (Rio de Janiero/Graz). Moderation Helmut Weihsmann (Wien) am Panel.




So 12. Februar 2017, 13 Uhr

TROPICAL MODERINTY: MEXIKO & BRASILIEN






Mit den Filmen:

Casa Luis Barragán Mythos der Moderne

R: Ralph Ströhle [© SWR] | D | 2005 | 15 min | Farbe | DF | ÖE


Luis Barragán (1902-88) gilt als der bedeutendste mexikanische Vertreter einer Weltarchitektur auf hohem Niveau und lokalspezifischen Charakter. Als der 1980 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde, war er immerhin schon 78 Jahre alt. Sein Werk ist ein Beispiel für den kulturellen Reichtum Mexikos, welches ebenso von der Folklore seines Landes als auch vom „Internationalen Stil“ in seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit moderner und zeitgenössischer Kunst geprägt ist. Durch die Poesie, Schönheit und Einzigartigkeit seiner Bauwerke, die sich alle in Mexiko befinden, übte Barragán einen starken Einfluss auf mehrere Architekturgenerationen im In- und Ausland aus. Luis Barragán wird deshalb zur Recht als der Urvater der lateinamerikanischen Spielart jener spirituellen und indigenen „tropischen Moderne“ bezeichnet, der einen alternativen Weg zur Re-Interpretation des „Internationalen Stils“ eingeschlagen hatte.





Precise Poetry - Lina Bo Bardi's Architecture
 
R: Belinda Rukschcio | BRA / AT / D | 2013 | 53 Min| Farbe | OmU.


Die ursprünglich aus Italien stammende Achillina („Lina“) Bo Bardi (1914-92) war eine ebenso bekannte Persönlichkeit im multi-ethnischen Kulturleben von Brasilien sowohl als einflussreiche Lehrerin als auch als einer der wenigen Architektinnen Südamerikas, die unter anderem für die Realisierung des ersten Glashauses (1950) im Stadtteil Morumb, einem Vorort von São Paulo, des „schwebenden“ Kunstmuseums (1957) und des Kulturzentrums SESC Fábrica da Pompéia weltberühmt wurde. Dieses wunderbare Filmporträt der Österreicherin Belinda Rukschcio verfolgt die Arbeits- und Lebensspuren der Frau von Italien nach São Paulo, Rio de Jañiero und Salvador da Bahia und wirft zuletzt die Sinnfrage aus: Was bleibt von einer Person im gebauten Werk, welches sie in ihrem Gastland Brasilien hinterließ? Rukschcios gelungener Debütfilm zeigt nicht bloß die Lebensgeschichte der Frau, sondern nähert sich dem Thema anhand fragmentarischer Erinnerungen ihrer ehemaligen Schüler und Kollegen an, um die sensible und behutsame Arbeitsweise der ungewöhnlichen Frau zu dokumentieren.



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