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ArchFilm Matinée

Die Architekturfilm-Reihe am Sonntag Nachmittag im



Filmcasino | Margaretenstr. 78 | 1050 Wien
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Die ArchFilm Matinée-Reihe wird vom renommierten Architekturhistoriker Helmut Weihsmann ("Das rote Wien", "In Wien erbaut") kuratiert und findet im Sommer- und Wintersemester monatlich im Filmcasino statt. Im Mittelpunkt stehen Dokumentar- und Essay-Filme über Architektur (zu einem guten Teil Erstaufführungen), die zum Teil von Diskussionsrunden prominenter ArchitektInnen und FilmemacherInnen oder einem Vortrag begleitet werden. Begonnen wurde die Reihe im Frühjahr 2005 mit "My Architect". Die Filmreihe ist heute ein fixer Bestandteil der öffentlichen Diskussion über Architektur geworden und bietet Kunst- und Filminteressierten einen gemeinsamen Anknüpfungspunkt.

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IG Architektur | Architektur aktuell





So 30. April 2017, 13 Uhr

Rot flammt es am Horizont: DIE INTERNATIONALEN BAUBRIGADEN IN DER UdSSR



„Rot flammt es am Horizont" – unter diesem griffigen und programmatischen Leitspruch stehen äußerst seltene und anspruchsvolle dokumentarische, agitatorische sowie propagandistische Bau- und Stadtfilme im Zeichen der sowjetischen „Oktober Revolution“ und dem raschen Aufbau des bolschewistischen Staates mit der neuen Wirtschaftsordnung NEP von Lenin. Im Oktober 1930 brach eine Gruppe deutscher Architekten aus Frankfurt als „Baubrigade" unter der Leitung von Ernst May bzw. seinen bewährten Mitarbeitern/-innen Mart Stam, Hans Schmidt und die Erfinderin der „Frankfurter Küche“ Grete Schütte-Lihotzky sowie dem Marxisten Hannes Meyer im Schlepptau nach Moskau auf. Die Schicksale und Spuren dieser idealistischen Kommunisten sind kaum mehr bekannt und noch weniger auf Film dokumentiert. Aus Staatsraison und Kalkül lud die KPSU ausländische Baufachleute und Wirtschaftspragmatiker aus Deutschland, Holland und den USA ein. Mit fliegenden Fahren haben diese Baubrigaden aus verschiedenen Ländern Europas und den USA die Einladung der sowjetischen Regierung angenommen nach Moskau zu reisen, um im sozialistischen Wunderland ganz neue Städte im Ural, der Ukraine oder im Kohlenrevier von Kemerowa in West-Sibirien zu erschaffen.

Begrüßung durch Bezirksvorsteherin Susanne Schaefer-Wiery. Nach dem Filmprogramm Publikumsgespräch mit Regisseur Heinz Zschech (Paris/Moskau) und Architektin Christine Zwingl (Schütte-Lihotzky-Club). Moderation: Helmut Weihsmann (Kurator).





Mit den Filmen:

Philipp Tolziner

R: Heinz Zschech | D 1994 | 30 Min | DF


Im Zuge der ersten „Fünfjahrespläne“ der Einheitspartei KPSU zur raschen Industrialisierung der UdSSR unter der stalinistischen Diktatur wurde in Architekturkreisen immer heftiger die Frage gestellt, wie eine zeitgemäße Formensprache der Architektur und des modernen Städtebaus im real-existierenden Kommunismus aussehen sollte.

Die produktivsten unter ihnen war die Baubrigade „Rotfront“ von Hannes Meyer und seine Schülern am Bauhaus in Dessau, die im Zentrum der Erz-, Kohle und Kalisalz Region im Ural, neue Städte im Osten des Landes errichtet haben. Einer davon war der heute beinahe vergessene jüdische Architekt und Kommunist Philipp Tolziner aus München, der am Bauhaus in Dessau bei Prof. Hannes Meyer studiert hatte. 




Sotsgorod – Cities for Utopia
 
R: Anna Abrahams | NL 1995 | 92 Min | OF | 16mm


In den 1930er Jahren legte der hohe sowjetische KPSU-Funktionär und damalige Finanzminister Nikolai A. Miljutin (1889-1942) mit dem Buch Sotsgorod (1930) die organisatorische Grundlage und bautechnische Vision einer marxistischen geprägten Stadt- und Lebensgestaltung vor, wie sie in der Industrieregion von Magnitogorsk, Stalingrad und Kemerowo (Kuzbass) in Sibirien ab 1930 in Ansätzen realisiert wurde. Als Chefideologie und Propagandist der avantgardistischen Idee der sog. „Bandstädte“ wurde Miljutin somit zum Befürworter der neuen „Satellitenstädte“ in der UdSSR, einem der wichtigsten Bindeglieder zum „Neuen Bauen“ in Deutschland, welches von den Nazis sofort als „jüdisch-bolschewistisch“ verunglimpft wurde. Die aktive Mitwirkung von Ernst May, Mart Stam, Grete Schütte Lihotzky, Hans Schmidt und Hannes Meyer aus der Schweiz wie die holländischen Kommunisten um Han van Loghem, Sebald Rutgers und seinem jungen Sohn Jan Rutgers aus Rotterdam bereicherte das Spektrum des sozialistischen Bauens in der Anfang- bzw. Aufbauphase der Sowjetunion. Die Orientierung an westlichen und modernen, vorwiegend amerikanischen Entwurfsideen und Produktionsmethoden der Industrie, vor allem aber die Forderung nach dezentralisierten Großstädten machte das Projekt Sotsgorod nicht nur zur Pflichtlektüre der Avantgarde des russischen Konstruktivismus, sondern machte den Autor ebenso zum unfreiwilligen Staatsfeind unter Stalin.






Zyklus „Traumhäuser – Schick & Schön“



Die in dieser Filmschau schmackhaft präsentierten „Fallbeispiele“ einer individuellen Wohnkultur zeigen nicht nur ein breites Spektrum an Baustilen und extravagante Einrichtungen in verschiedenen Regionen und Kulturen der Welt, sondern auch „Gegenwelten“ von ihren unangepassten Bewohnern und exzentrischen Gestaltern. Diese sog. „Traumvillen“ der Reichen und Schönen verkörpern nicht nur einen Luxus und materiellen Überschuss, sondern sie verraten auch die individuelle Ansichten der Architekten, die eine spezielle Perspektive auf die zeitgenössische Architekturszene werfen. Zum einen richtete sich der Protest gegen die Konventionen und Gebräuche der tradierten Wohnkultur, zum anderen war es ein Spleen bzw. Schrulle der Avantgarde sich progressiv zu geben. Das Paradigma von einem entspannten und „befreitem“ Wohnen wuchs gerade in der amerikanischen Gegenkultur enorm an und gestaltete sich als Alternative bzw. Gegenvorschlag bei der Gestaltung einer sog. „radical chic“ Kultur im globalen Maßstab einer Trans-Avantgarde-Bewegung in der Spätmoderne des 20. Jahrhunderts. Wenn man die Grundelemente der Avantgarde und ihre provokante Haltung gegenüber das bürgerliche Establishment betrachtet, kokettieren gerade ihre prominentesten Protagonisten sowie deren Mitläufer gelegentlich auch mit der unernsten Provokation und kulturelle Divergenz der Protestkultur des „radical chic“. Parallel formte sich in den Hochschulen und Akademien eine sog. „radikale Pädagogik“ und Strategie gegenüber dem überheblichen Establishment als Reaktion zu der traditionellen Lehre und Vermittelung von Architektur und Design. Diese vierteilige Filmreihe soll ferner eindrucksvoll belegen wie bunt und vielfältig wie gerade das Durcheinander an Stilen und Entwürfe der weniger bekannten Architekten der „Randkultur“ zu einer vielfältigen, fantasievollen und übernationalen Architektur- und Ideengeschichte der Spätmoderne beigetragen haben.

Moderation: Helmut Weihsmann (Kurator).



So 17. Sep. 2017, 13 Uhr

SÉRGIO BERNARDES –  BRAZILIAN ARCHITECT

R: Paulo De Barros / Gustavo Gama Rodrigues | BRA 2014 | 92 Min | OmeU


Einst berühmt, gefeiert und doch heute vergessen: Als schillernde Persönlichkeit der High Society war der brasilianische Architekt Sérgio Bernardes (1919-2002) einst eine feste Größe in der Architekturszene seiner Heimat. In seiner späteren Karriere wandte sich Bernardes von der Dekadenz der bürgerlichen Gesellschaft ab und widmete sich der Lösung der Sozialprobleme und Armut der Welt durch seine fortschreitende Hingabe an einer progressiven gesellschaftlichen Architektur und Sozialutopie. Diese links-populistischen Haltung führte ihn dazu, mit der Militärdiktatur zu kooperieren im Glauben die Regierungspolitik institutionell zu reformieren. Das Ergebnis war eine Reihe von Kompromissen und erfolglose Versuche, die ihn unbeliebt machten und vom Ausland ignoriert wurden. Nur wenige erinnern sich heute an ihn, der in den Nachkriegsjahren zu einem der schillersten Persönlichkeiten der brasilianischen Moderne gehörte. Kollegen wie Oscar Niemeyer und Richard Buckminster Fuller arbeiteten mit dem Workaholic und Lebemann, der in nur einem Monat bis zu 25 Wohnhäuser und Nobelvillen entwarf.



So, 15. Okt. 2017, 13 Uhr

A TROPICAL HOUSE
R: Karl-Heinz Klopf | AT/INO 2015 | 51 Min |  OmdU


Nach dem formal strengen Aufbau seines Vorgängerfilms TOWER HOUSE macht der Filmemacher Karl-Heinz Klopf mit A TROPICAL HOUSE erneut eine Studie in statischen totalen und halbtotalen Einstellungen über das singuläre Eigenheim des indonesischen Architekten Andra Matin (geb. 1962), einem neuen Vertreter der regionalen Strömung einer „Tropischen Moderne“. Das Bauwerk befindet sich nahe Jakarta in dem noblem Vorort Bintaro. Das ganze Bauensemble von Haus und Garten scheint trotz seines physischen Gewichts und statischer Erdverbundenheit geradezu in der Luft zu schweben. Das Haus ist offen und luftig. Die ruhige Filmstudie besteht fast zur Gänze aus statischen Totalen bzw. Halbtotalen komponiert. Der Innen- sowie Außenraum der Gartenvilla wird Schritt für Schritt und Ebene für Ebene aus einer Vielzahl von Blickwinkeln der Kamera erschlossen. Das vermeintlich einfache Gebäude wird somit zu einem Gegenstand einer konzentrierten Meditation für den Betrachter, der gleichzeitig Zuschauer, Beobachter ist, vor dessen Augen sich die sorgfältig entworfenen Räumlichkeiten entfalten.

In Anwesenheit von Karl-Heinz Klopf.




So 12. Nov. 2017, 13 Uhr Mit den Filmen:


IL GIRASOLE – UNA CASA VICINO À VERONA

R: Christof Schaub | CH 1995 | 17 Min | Farbe | OF


Das von leisen Elektromotoren angetriebene „bewegliche Haus“ ist ein seltenes Unikum als Manifest (oder ein Nachbote) des italienischen Futurismus. Eine sehr ästhetische und stimmungsvolle Baumonographie über ein außergewöhnliches Bauexperiment der 1930er Jahre. Zwischen 1930 bis 1935 realisierte der Genueser Bauingenieur Angelo Invernizzi (1884-1958) gemeinsam mit dem gleichaltrigen Architekten Ettore Fagiuoli (1884-1961) und einem talentierten Mechaniker in Marcellise unweit von Verona den futuristischen Traum von einem beweglichen Haus (Casa girasole heißt „Sonnenblumenhaus“), dessen ausgeklügelte Mechanik und „arrier plan“ der Betonweise als ein gebautes manifest des Futurismo gilt. Dieses bislang eher unbekannte Werk der Moderne ist ein silbrig glänzende Wohnmaschine auf einem riesigen, rundlichen Unterbau inmitten eines verzauberten Weinbergs.

In Anwesenheit von Christoph Schaub (Zürich).





HOUSELIFE – MAISON À BORDEAUX
R: Ila Bêka/Louise Lemoine | FR 2008 | 52 Min | Farbe | OmU


Nach dem formal strengen Aufbau seines Vorgängerfilms TOWER HOUSE macht der Filmemacher Karl-Heinz Klopf mit A TROPICAL HOUSE erneut eine Studie in statischen totalen und halbtotalen Einstellungen über das singuläre Eigenheim des indonesischen Architekten Andra Matin (geb. 1962), einem neuen Vertreter der regionalen Strömung einer „Tropischen Moderne“. Das Bauwerk befindet sich nahe Jakarta in dem noblem Vorort Bintaro. Das ganze Bauensemble von Haus und Garten scheint trotz seines physischen Gewichts und statischer Erdverbundenheit geradezu in der Luft zu schweben. Das Haus ist offen und luftig. Die ruhige Filmstudie besteht fast zur Gänze aus statischen Totalen bzw. Halbtotalen komponiert. Der Innen- sowie Außenraum der Gartenvilla wird Schritt für Schritt und Ebene für Ebene aus einer Vielzahl von Blickwinkeln der Kamera erschlossen. Das vermeintlich einfache Gebäude wird somit zu einem Gegenstand einer konzentrierten Meditation für den Betrachter, der gleichzeitig Zuschauer, Beobachter ist, vor dessen Augen sich die sorgfältig entworfenen Räumlichkeiten entfalten.

In Anwesenheit von Karl-Heinz Klopf.




So 17. Dez. 2017, 13 Uhr

LA GRANDE BELLEZZA
- DIE GROSSE SCHÖNHEIT
R: Paolo Sorrentino | IT/FR 2013 | 141 Min | Farbe | OmU
Mit: Toni Servillo, Carlo Verdone, Sabrina Ferilli, Carlo Bucciorosso u.a.


Der zynisch wie auch polemische Spielfilm über die dekadente Gesellschaft des Geldadels und Schickeria porträtiert humorvoll pointiert die römische Oberschicht und ihre angeberische Promis sowie Adabeis („rich and famous“), die sich selbst hoch loben und nicht zu bemerken scheint, dass ihre goldenen Tage längst gezählt sind. In leicht melancholischer Art und Weise glänzt der Film mit einer Fülle von filmischer Miniaturen über Sinn und Sinnlosigkeit des Daseins inmitten üppiger Dekors und modernen Design. Zugleich ist Le Grande Bellezza eine zeitgenössische Hommage auf Fellinis La Dolce Vita, die hinter aller oberflächigen Schein und Pracht nach Momenten erfüllter Präsenz und Wahrhaftigkeit im sog. „schönen“ und „richtigen Leben“ sucht.



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