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verliebt, verzopft, verwegen

 

Ganz schön grau und verzopft war die Bundeshauptstadt anno dazumal. Die Szene war – sofern es sie überhaupt gab – schwul. Besonders einladend wirkte der sogenannte Sub jedoch nicht: Im Falle der (nicht seltenen) Polizeirazzien mussten Lesben und Schwule schön gesittet an den Tischen sitzen – ganz ‚normal‘ und ‚unauffällig‘. Lesbisches Leben fand im Privaten, Verborgenen statt. Bilder davon gibt es, im Gegensatz zu anderen Ländern, in Österreich nur sehr wenige. Diese visuelle Leerstelle existiert – mit einer Unterbrechung in den gut dokumentierten 1970er Jahren, in denen die Lesbenbewegung politisch wie medial durchaus präsent war – im Grunde bis heute. Obwohl „Lesben immer und überall sind“.

Erstmals füllt nun eine neue Doku diese Lücke: Katharina Lamperts und Cordula Thyms ambitioniertes Filmprojekt beschäftigt sich mit Lebensmodellen und Netzwerken lesbischer Frauen in Wien in den 1950ern und 60ern. Welche Gemeinschaften und Orte gab es, und wie öffentlich, d.h. zugänglich, waren diese für Interessierte? Wie organisierten sich Frauen, wie präsentierten sie sich nach außen? Und was bedeutete es zu jener Zeit, sich als lesbische Frau zu identifizieren? Informationen wie diese sind bis heute rar gesät und werden oft nur in mündlichen Erzählungen weitergegeben oder schwirren gerüchteweise durch die Geschichte.
Im Mittelpunkt von „verliebt, verzopft, verwegen stehen Interviews mit drei Zeitzeuginnen – Rosmarin  Frauendorfer, Ursula Hacker und Birgit Meinhard-Schiebel –, die sich zu jener Zeit in der Szene bewegten und auf eloquente, unterhaltsame und erfrischend (selbst-)ironische Weise darüber berichten.

Bis heute fällt ein Outing, eine selbstverständliche öffentliche Existenz als Lesbe offensichtlich nicht leicht. Bei ihren Interviewanfragen erhielten die Filmemacherinnen zahlreiche Absagen. Dass es Lesben in Politik, Wirtschaft, Kultur, in Schulen gibt, ist eine Tatsache. Die Tendenz zur Unsichtbarmachung in der Gesellschaft jedoch auch – bis heute. „verliebt, verzopft, verwegen“ ist ein wichtiger Film, damit sich das endlich ändert. (Barbara Reumüller)