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Gewalt gehört zum Alltag von Casper (Edgar Flores): Als Mitglied der brutalen Gang Mara Salvatrucha führt er ein Leben auf der Überholspur - Abbremsen unmöglich. Als sich die Ereignisse überschlagen, trifft Casper eine folgenschwere Entscheidung und flieht aus den Fängen der Gang. Auch Sayra (Paulina Gaitan) sehnt sich nach einer besseren Zukunft und kehrt ihrer Heimat den Rücken…
SIN NOMBRE ist eine Reise mitten in die Schattenwelt Mexikos. Ein packender Thriller mit furiosen Bildern, ein Gangster-Movie und zugleich eine berührende Love Story über zwei junge Menschen, deren Wege sich schicksalhaft kreuzen und die im jeweils anderen eine verwandte Seele erkennen.

 

Die „Mara Salvatrucha“, auch genannt MS-13, ist die wohl größte und gefährlichste Gang der Welt, sie zählt mehr als hunderttausend Mitglieder, vor allem in Zentralamerika. Die „Mareros“, Mitglieder der Gang, sind durchwegs Jugendliche, kaum einer ist über dreißig Jahre alt. Beim kontinuierlichem Straßenkrieg mit verfeindeten Gangs und dem selbst auferlegten barbarischen Ethos der Gang, der auch durch großflächige Tätowierungen mit den Mara-Initialien versinnbildlicht wird, währt das Leben eines Mitglieds nicht lange. Oft schon werden Kinder rekrutiert, so wie der kleine Benito aus Tapachula, Chiapas, ganz im Süden Mexikos. Nach der Absolvierung des schonungslosen Aufnahmerituals, bei dem Benito 13 Sekunden lang geprügelt und getreten wird, ist auch er ein vollwertiges Mitglied der Mara, verliert seinen Namen und Identität und bekommt statt dessen den Gangnamen „Smiley“ verliehen, fortan soll er ausschließlich für die Gang leben. Rekrutiert wurde der Junge von dem achtzehnjährigen El Casper, dessen Loyalität jedoch nicht mehr alleine seiner Clique und deren Anführer Lil’ Mago gilt. Heimlich besucht Casper seine Freundin und vernachlässigt dabei seine Aufträge für die Gang. Wohlweislich versucht er die Beziehung zu seiner Geliebten geheim zu halten, doch die Verbindung wird aufgedeckt – mit tragischen Folgen.

Bald sitzt Casper auf dem Dach eines Güterzuges Richtung Norden. Ebendort reist unter den vielen hundert Flüchtlingen auch die Honduranerin Sayra, die gemeinsam mit ihrem Vater vom Elend der Slums von Tegucigalpa entkommen ist. Vor ihrem Ziel, New Jersey liegt noch die gefährliche Grenze zwischen Mexiko und den USA. Am gefährlichsten ist allerdings die Reise selbst, tausend Kilometer lang auf den verrosteten Containerwaggons der sogenannten „Todeszüge“.
Die Begegnung von Casper und Sayra auf ihrer Reise ist schicksalhaft, aber nur das Mädchen hat tatsächlich ein Ziel vor Augen. Casper ist einfach nur geflohen – seine ehemaligen Compañeros der Mara sitzen ihm dabei unerbittlich im Nacken. Der kleine Smiley, der sein erstes Opfer noch mit einem Bolzenschussgerät töten musste, hat bereits eine Pistole in die Hand gedrückt bekommen. Mit dieser soll er nun auch Casper töten.

SIN NOMBRE steht in direkter Tradition des neuen lateinamerikanischen Independent-Kinos. Der Amerikaner Cary Joji Fukunaga drehte an Originalschauplätzen in Mexiko ein überwältigendes Regiedebüt mit bestechend poetischen Beobachtungen, aber auch mit drastisch vor Augen geführter Gewalt. Sein Film changiert nahtlos zwischen Genres und zeigt eine kompromisslose Welt, in der Liebe und Menschlichkeit den Kampf gegen tägliche Gewalt aufnehmen.