Der Moment des Glücks
Die Filme von Sergey Dvortsevoy

4. – 6. März 2010 


Eine gemeinsame Veranstaltung von dok.at, Navigator Film und dem Filmcasino;

in Kooperation mit der Filmakademie Wien und ray Filmmagazin.

 

Anlässlich des Kinostarts seines Spielfilms Tulpan wird erstmals in Österreich das herausragende dokumentarische Werk des kasachischen Regisseurs Sergey Dvortsevoy kompakt präsentiert. Die Filmschau „Der Moment des Glücks“ zeigt die vier international preisgekrönten Dokumentarfilme Dvortsevoys, die in engem Dialog mit Tulpan gesehen werden können: Dvortsevoys meisterliches Filmdebüt Schastje (Paradise,1995), in dem er eine Gruppe von kasachischen Schafhirten beobachtet, die als Nomaden in den kargen Hochebenen der Region Suzak leben; seine lakonische, kafkaeske Studie Hlebnyi den (Bread Day, 1998), die in eindringlicher Weise (und mit einer legendären neunminütigen Plansequenz zu Beginn des Films!) die wöchentliche Brotlieferung in einem verlassenen russischen Dorf dokumentiert, dessen Bewohner und Bewohnerinnern in äußerster Armut leben; das melancholische Road Movie Highway (Trassa, 1999), mit dem Dvortsevoy in seine Heimat zurückkehrt und in dem er den Freiluftzirkus der kasachischen Familie Tadjibajev in diskreter, respektvoller Weise portraitiert; und das liebevoll-ironische Doppelportrait V Temnote (In the Dark, 2004), in dem Dvortsevoy in Form eines Kammerspiels das Zusammenleben eines 77jährigen blinden Mannes mit seiner Katze in einer Moskauer Wohnung beobachtet.

Dvortsevoys dokumentarisches Werk, voller unvergleichlicher kinematografischer Momente, interessiert sich (meilenweit entfernt vom gängigen Ethnokitsch!) für die elementaren Dinge des Alltags, für die Poesie des Augenblicks: als geduldiger Beobachter und als filmischer Virtuose zugleich. Constantin Wulff (dok.at)

Alle Vorführungen finden in Anwesenheit von Sergey Dvortsevoy statt.

 


Do, 04 März

 

  20:00 Uhr:

Eröffnung:

  SCHASTJE (Paradise)
Russland /Kasachstan 1995, 23 min, OmenglU
anschl. Publikumsgespräch mit Sergey Dvortsevoy

Schastje ist das lyrische Porträt des einfachen Lebens in einem verlorenen kleinen Hirtendorf nahe der Südlichen Berge Kasachstans. Zufällig entdeckt vom Filmemacher, der das Land mit einem Flugzeug überquerte, wurden die Ortschaft und ihre Bewohner drei  Monate lang mit vier Kameras gefilmt. In Schastje sieht man sowohl Panoramaaufnahmen windgefegter Steppenlandschaften als auch häusliche Szenen mit Frauen, die Brot backen, einem Kind, dass Rahm isst und einer Kuh, deren Kopf in der Milchkanne stecken bleibt. Jedes der insgesamt 30 Sequenzen verlässt sich alleine auf der Kameraführung und enthält sich jegliches Kommentar, Schastje ist somit ebenso ein filmisch-ethnografisches Gedicht über eine Region, als auch eine Liebeserklärung an das Leben selbst.

Filmfestival Krakau: Goldener Drache für den Besten Kurzdokumentarfilm

 

TULPAN
D/CH/KAZ/RU/PL 2008, 100 min, OmU
anschl. Publikumsgespräch mit Sergey Dvortsevoy

Der Matrose Asa kehrt zu seiner Familie in die kasachische Steppe zurück. Bevor er seinen Traum, Schafhirt zu werden, verwirklichen kann, soll der junge Mann heiraten. Die einzige Kandidatin, Tulpan, findet Asas abstehende Ohren aber völlig inakzeptabel. Verzweifelt nimmt Asa den Kampf auf: mit seinen Ohren, dem wachsenden Unmut seiner Familie und den Schafen, die plötzlich alle auf einmal ihre Lämmer zur Welt bringen...
Diese vielfach preisgekrönte, großartige Komödie besticht durch das erfrischend witzige Spiel der Darsteller und durch eine phänomenale Kameraarbeit. Ein Kinoerlebnis der besonderen Art!

"Es sind die Glücksmomente des Cinephilen, wenn plötzlich Kino wie in TULPAN ...seine sinnliche Fülle in jeder Einstellung vor dem Zuschauer entfaltet." Schnitt.de
"Eine zärtliche und unvergessliche Komödie." San Francisco Chronicle

Filmfestival Cannes 2008:  "Un Certain Regard" – Bester Film, "Prix de la jeunesse", "Prix de l'education nationale"
Filmfestival Karlovy Vary 2008: “East Of The West" Award Netpac Award
Zürich International Filmfestival 2008: “Golden Eye” – Bester Film
Féstval du nouveau Cinéma, Montreal 2008: Louve D’Dor – Bester Spielfilm
Tokyo International Film Festival, Japan 2008: Tokyo Skura Grand Prix
Europäischer Filmpreis 2008: Auszeichnung als “Europäische Entdeckung”
British Film Institute Awards 2008: Auszeichnung mit der „Sutherland Trophy"

 


Fr, 05 März  
  18:30 Uhr:
  SCHASTJE (Paradise)
Russland /Kasachstan 1995, 23 min, OmenglU
in Anwesenheit von Sergey Dvortsevoy

Schastje ist das lyrische Porträt des einfachen Lebens in einem verlorenen kleinen Hirtendorf nahe der Südlichen Berge Kasachstans. Zufällig entdeckt vom Filmemacher, der das Land mit einem Flugzeug überquerte, wurden die Ortschaft und ihre Bewohner drei  Monate lang mit vier Kameras gefilmt. In Schastje sieht man sowohl Panoramaaufnahmen windgefegter Steppenlandschaften als auch häusliche Szenen mit Frauen, die Brot backen, einem Kind, dass Rahm isst und einer Kuh, deren Kopf in der Milchkanne stecken bleibt. Jedes der insgesamt 30 Sequenzen verlässt sich alleine auf der Kameraführung und enthält sich jegliches Kommentar, Schastje ist somit ebenso ein filmisch-ethnografisches Gedicht über eine Region, als auch eine Liebeserklärung an das Leben selbst.

Filmfestival Krakau 1996: Goldener Drache für den Besten Kurzdokumentarfilm

 

HLEBNYI DEN (Bread Day)
Russland 1998, 52 min, OmenglU
in Anwesenheit von Sergey Dvortsevoy

In einer abgelegenen Siedlung im Norden Rußlands trifft einmal pro Woche ein Waggon mit Lebensmitteln ein. Der wird auf ein Nebengleis gestellt und eine Handvoll der älteren Menschen schieben ihn von Hand ins Dorf. Die erste Rolle von Sergej Dvortsevojs außergewöhnlicher Dokumentation erzeugt einen unglaublichen Sog, indem er diesem Vorgang fast ohne Schnitt folgt – wie einst das Publikum der frühesten Lumiere-Filme fühlt man sich auch als moderner Zuschauer vom Realen, Greifbaren gepackt: am liebsten möchte man aufstehen und mitschieben. In der Folge wird der Verteilungskampf geschildert: Streitereien zwischen den durchaus zum rauen Geplänkel neigenden Alten, dazwischen streifen ein paar Tiere umher (und trauen sich als einzige, direkt in die Kamear zu sehen). Dvortsevojs Dokumentarästhetik ist heute fast singulär: Er filmt nahezu surreale Ereignisse, deren Echtheit stets durch außergewöhnliche Details über den bloßen Aufzeichnungsaspekt der Filme hinauszuweisen scheinen. (Christoph Huber)

Leipzig DOK Festival 1998: Goldene Taube für den Besten Dokumentarfilm
 


Sa, 06 März  
  16:30 Uhr:


 

TRASSA (Highway)
F/D/Kasachstan 1999, 52 min, OmenglU
in Anwesenheit von Sergey Dvortsevoy
 
Eine Uigurische Zirkusfamilie unterwegs in einem alten Bus zwischen Zentralasien und Moskau: Die Mitglieder der Tajibajev-Famile - Ehemann, Ehefrau und sechs Kinder zwischen ein und sechzehn Jahren - reisen durch die Steppen von Kasachstan und leben von ihren Einkünften als Schausteller in Dörfern und Siedlungen entlang der Autobahn. Der älteste Sohn kann einen 32kg schweren Ball an seine Lippen hängen, die jüngsten Kinder laufen auf Glassplittern.
Die Kamera fängt Szenen aus dem Alltag der Familie ein, wir sehen sie beim Essen, Schlafen oder bei ihren Darbietungen vor ihrem recht überschaubarem Publikum. Diese Ereignisse markieren den  einzigartigen Fluss von Zeit und Raum in den Weiten der zentralasiatischen Steppe.

Dokumentarfilmfestival Marseille 1999: Grand Prix


 

V TEMNOTE (In the Dark)
Russland/Finnland 2004, 40 min, OmenglU
in Anwesenheit von Sergey Dvortsevoy

Ein blinder alter Mann lebt mit einer weißen Katze in einer  kleinen Wohnung. Er fertig Taschen aus Wolle an, die Katze bringt die Wolle durcheinander. Jeder Tag ist somit ein kontinuierlicher Kampf zwischen den beiden. Die Katze ist jedoch sowohl Feind als auch einziger Freund des Mannes. Er lauscht den Geschehnissen auf der Strasse und kommentiert sie für seine Katze. Dann verlässt er die Wohnung um seine Taschen zu verkaufen - doch keiner will sie haben, nicht einmal geschenkt.
V Temnote ist eine kleine Symphonie über das tägliche Leben in einem Vorort von Moskau und eine Metapher über die Veränderungen in Russland nach der Wende.


Filmfestival Krakau 2004: Preis der Studentenjury

 
  18:30 Uhr:


 

TULPAN
D/CH/KAZ/RU/PL 2008, 100 min, OmU
in Anwesenheit von Sergey Dvortsevoy

Der Matrose Asa kehrt zu seiner Familie in die kasachische Steppe zurück. Bevor er seinen Traum, Schafhirt zu werden, verwirklichen kann, soll der junge Mann heiraten. Die einzige Kandidatin, Tulpan, findet Asas abstehende Ohren aber völlig inakzeptabel. Verzweifelt nimmt Asa den Kampf auf: mit seinen Ohren, dem wachsenden Unmut seiner Familie und den Schafen, die plötzlich alle auf einmal ihre Lämmer zur Welt bringen...
Diese vielfach preisgekrönte, großartige Komödie besticht durch das erfrischend witzige Spiel der Darsteller und durch eine phänomenale Kameraarbeit. Ein Kinoerlebnis der besonderen Art!

"Es sind die Glücksmomente des Cinephilen, wenn plötzlich Kino wie in TULPAN ...seine sinnliche Fülle in jeder Einstellung vor dem Zuschauer entfaltet." Schnitt.de
"Eine zärtliche und unvergessliche Komödie." San Francisco Chronicle

Filmfestival Cannes 2008:  "Un Certain Regard" – Bester Film, "Prix de la jeunesse", "Prix de l'education nationale"
Filmfestival Karlovy Vary 2008: “East Of The West" Award Netpac Award
Zürich International Filmfestival 2008: “Golden Eye” – Bester Film
Féstval du nouveau Cinéma, Montreal 2008: Louve D’Dor – Bester Spielfilm
Tokyo International Film Festival, Japan 2008: Tokyo Skura Grand Prix
Europäischer Filmpreis 2008: Auszeichnung als “Europäische Entdeckung”
British Film Institute Awards 2008: Auszeichnung mit der „Sutherland Trophy"