Der Bioskop-Mann zieht mit einem tragbaren Miniprojektor
durch die Straßen in Bombay. Oben auf dem Blechgehäuse ist die Filmrolle montiert, an
den Seiten gibt es kleine Sichtfenster, durch die seine kindlichen Kunden die Abenteuer
der Helden aus Bollywood verfolgen. Die Geschwindigkeit bestimmt der Mann mit der Kurbel.
Einmal sieht man den Bauchladenkino-Betreiber beim Montieren seiner Filmstreifen - er
näht sie ganz einfach mit einem Bindfaden zusammen. (...)
MEGACITIES heißt der neue Film des österreichischen
Regisseurs Michael Glawogger (Die Ameisenstraße, Kino im Kopf). In vier gigantischen
Stadtgebilden - Bombay, New York, Mexiko City und Moskau - hat Glawogger gedreht, seine
Beobachtungen jeweils mit einzelnen Bewohnern und Bewohnerinnen verknüpft. Ihnen allen
ist gemeinsam, daß sie an vorderster (oder unterster) Front, mit den Lebensbedingungen in
diesen Städten konfrontiert sind, ihren Lebensunterhalt durch körperlichen Einsatz in
teilweise extremen Formen erarbeiten müssen. MEGACITIES ist keine politische oder
historische Reportage, keine Analyse. Man erfährt nichts über größere Strukturen, an
die die Situation der einzelnen Personen rückgebunden ist.
Nicht alles was bunt ist, ist auch pittoresk. Der
Widerspruch, der zwischen Lebensbedingungen und ihrem stilisierten filmischen Abbild
aufklafft, der Zwiespalt zwischen einem schönen Bild und einer prekären Situation, ist
insofern interessant, als er das Publikum herausfordert, sich genau damit zu
konfrontieren. (...) MEGACITIES ist ein dokumentarischer Film, der aus inszenierten
Bildern besteht. Die Debatten, die sich daran entzünden können und die MEGACITIES sicher
provoziert, betreffen allerdings grundsätzlichere Fragen und nicht nur diesen einen Film.