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Megacities

 

Michael Glawogger über MEGACITIES:

Die Welt ist ein schrecklicher und doch lebenswerter Ort, das will ich zeigen. Ich glaube, viel von unserem Verhältnis zum "Rest der Welt" ist von Angst geprägt; wir kennen diesen Rest aus vorwiegend schlechten Nachrichten oder - durch eine äusserst bedenkliche Tourismusentwicklung - vom neokolonialistischen Standpunkt der Ressorthotel-Urlauber aus. Aber hinter diesen schlechten Nachrichten und exotisch-freundlichen Hotelkellnern stecken Menschen mit sehr ähnlichen Kämpfen und Träumen wie wir selbst.

 

 

Isabella Reicher, Der Standard:

Der Bioskop-Mann zieht mit einem tragbaren Miniprojektor durch die Straßen in Bombay. Oben auf dem Blechgehäuse ist die Filmrolle montiert, an den Seiten gibt es kleine Sichtfenster, durch die seine kindlichen Kunden die Abenteuer der Helden aus Bollywood verfolgen. Die Geschwindigkeit bestimmt der Mann mit der Kurbel. Einmal sieht man den Bauchladenkino-Betreiber beim Montieren seiner Filmstreifen - er näht sie ganz einfach mit einem Bindfaden zusammen. (...)

MEGACITIES heißt der neue Film des österreichischen Regisseurs Michael Glawogger (Die Ameisenstraße, Kino im Kopf). In vier gigantischen Stadtgebilden - Bombay, New York, Mexiko City und Moskau - hat Glawogger gedreht, seine Beobachtungen jeweils mit einzelnen Bewohnern und Bewohnerinnen verknüpft. Ihnen allen ist gemeinsam, daß sie an vorderster (oder unterster) Front, mit den Lebensbedingungen in diesen Städten konfrontiert sind, ihren Lebensunterhalt durch körperlichen Einsatz in teilweise extremen Formen erarbeiten müssen. MEGACITIES ist keine politische oder historische Reportage, keine Analyse. Man erfährt nichts über größere Strukturen, an die die Situation der einzelnen Personen rückgebunden ist.

Nicht alles was bunt ist, ist auch pittoresk. Der Widerspruch, der zwischen Lebensbedingungen und ihrem stilisierten filmischen Abbild aufklafft, der Zwiespalt zwischen einem schönen Bild und einer prekären Situation, ist insofern interessant, als er das Publikum herausfordert, sich genau damit zu konfrontieren. (...) MEGACITIES ist ein dokumentarischer Film, der aus inszenierten Bildern besteht. Die Debatten, die sich daran entzünden können und die MEGACITIES sicher provoziert, betreffen allerdings grundsätzlichere Fragen und nicht nur diesen einen Film.

 

Lola und ihr Mann träumen davon, einmal nach Amerika zu reisen und Los Angeles zu sehen.

Oleg, Borja, Kolya und Mischa träumen davon, in den Süden zu gehen, wo es wärmer ist.

Cassandra träumt davon, ein eigenes Haus zu haben, um keine Miete bezahlen zu müssen, und ihren Kindern eine Zukunft zu geben.

Babu Khan träumt davon, aufs Land zurückziehen zu können.

Toni hat keine Träume mehr.