In Mexico City leben ca. 24 Millionen Menschen, wieviele es genau sind,
weiß man nicht, weil es nicht wirklich klar ist, wo Mexico City eigentlich anfängt bzw.
aufhört. Geht man durch die Straßen, versteht man sein eigenes Wort kaum. In den ersten
Tagen kriegt man ständig Kopfweh und Nasenbluten - das liegt nicht nur daran, daß die
Stadt sehr hoch liegt, sondern auch daran, daß ein Mexikaner nicht 50 Meter zu Fuß geht,
wenn er sie mit dem Auto fahren kann. Im Stau zu stehen hat zumindest den Vorteil, daß es
dann nicht so staubt.

Lola und ihr Mann betreiben einen mobilen
Straßenkiosk in Mexico City. Sie verkaufen gefüllte Paprika mit Käse, Hühner-Steaks
und verschiedene Tortillas, die Lola nachts zu Hause zubereitet. "Zu Hause" ist
ein Hinterhofzimmer mit einem Bett, einer Couch, einem Tisch, einem Herd und einem Radio.
Das Radio ist neben dem Herd das Wichtigste. Schließlich genügt es nicht, den guten
Anzug und die goldenen Schuhe anzuziehen, um Samstags im Danzón eine gute Figur zu
machen. Dafür muß man schon jeden Tag üben.

Cassandra heißt
eigentlich Mariana Parra González. Cassandra ist ihr Künstlername. Sie arbeitet 7 Tage
die Woche in der Burleske, sie tanzt in rotschwarzer Wäsche mit Netzstrümpfen, während
sich die Männer aus dem Publikum an ihr festsaugen. Zur Arbeit fährt sie im
Trainingsanzug, ihre Gage verhandelt die Künstlergewerkschaft. Sie hat drei Kinder, und
sie kann sehr wütend werden, wenn Angélica Mabes zu viele Süßigkeiten ißt oder Edwin
Jesús beim Essen in Porno-Comics blättert.

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