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Human Traffic
Justin Kerrigan | UK 1999

 

Dopespotting

Sie wollen die Wahrheit über die britische Jugend erfahren? Die - äh - wahre Geschichte der Jugend rund um das Millenium sieht etwa so aus: chemische Drogen wie Ecstasy, Klubs, Bars und Pubs, das Vertreiben von Tonträgern und das Ertricksen von freiem Zutritt in Klubs bei diversen Events, Handys, Combatjacken, die Versorgung von Freunden mit Drogen. Diese Wahrheit lässt sich auch knapper benennen: sie dauert 95 Kinominuten und sie heißt - Human Traffic.

Im Mittelpunkt des Spielfilmdebuts von Justin Kerrigan stehen die Lebens- und Liebesverhältnisse von fünf coolen Leuten: Jip, Lulu, Koop, Nina und Moff, die sich an Wochenenden — nachdem die miesen McJobs unter der Woche abgedient sind — gerne so richtig austoben.

Jip macht sich Sorgen, daß ihn das allzu häufige Einwurf von Drogen für immer schlaff gemacht hat. Lulu dagegen sucht sich stets den falschen Kerl aus, ein Talent, das sie schön langsam depressiv macht. Koop und Nina haben eine fast intakte Beziehung, und Moff ist der freundliche, etwas derangierte Dealer von nebenan, der seine Freunde mit Pillen versorgt und dadurch einen einträglichen Nebenerwerb hat.

Drehscheibe von Human Traffic ist eine einzige, sorgfältig geplante und von Drogen benebelte Nacht im walisischen Cardiff, die den Beats und dem Groove von Größen wie Fat Boy Slim, Underworld und Armand van Helden gehört.

Justin Kerrigan ist 25. Schon sein erster Kurzfilm, noch mit einer Secondhand-Kamera gedreht, wurde von BBC Wales ausgestrahlt. Im Alter von 23 Jahren schrieb er das Drehbuch zu Human Traffic. „Ich würde den Film als einen fantastischen Pseudodokumentarfilm bezeichnen," meint der Regisseur über sein erstes abendfüllendes Werk, „er ist sicherlich sehr psychedelisch, aber er bleibt den Hauptcharakteren sehr nahe."

Und weiter: „Ich habe die Schnauze voll von all dem Hollywood-Scheiß mit seinen großen Budgets. Denken Sie an Filme wie Slacker, Clerks oder Swingers — sie wurden alle mit fast nichts gedreht, aber sie sind viel dynamischer als der ganze glänzende Hollywood-Mist."

 

The Grass is always 
greener on the other side

Um Gras, wenn auch in einer etwas bewusstseinserweiternderen Form als auf der Kuhwiese, geht es auch in Human Traffic. Und um alles andere, was man irgendwie schlucken, schniefen und spritzen kann, um ein nettes Partywochenende zu erleben. Justin Kerrigans Film über fünf Freunde, die sich jedes Weekend mit unerbittlicher Verbissenheit eine wilde 48-Stunden-Auszeit von ihrem tristen McJob-Leben nehmen, zählt nicht nur wegen seines schon provozierend selbstverständlichen Umgangs mit Drogen neben Shopping und Trainspotting zu den großen Jugend-Lifestyle-Kultfilmen der britischen Neunziger. (Anette Kilzer)