www.filmcasino.at
 
 
 
Barbara Albert | Christa Auderlitzky | Karoline Brand | Brigitte Burger-Utzer | Christine Dollhofer | Marko Doringer | Guido Exinger | Sandra Frauenberger | Alexander Horwath | Rudolf John | Nanni Moretti | Sudabeh Mortezai | Barbara Pichler | Friedl Preisl | Elsa Prochazka | Thomas Renoldner | Barbara Reumüller | Elisabeth Scharang | Ulrich Seidl | Mirjam Unger | Andreas Ungerböck | Helmut Weihsmann | Judith & Ralph Wieser | Constantin Wulff |
 
 

Vor 25 Jahren! – da war ich 18, habe begonnen, mich für andere Filme zu interessieren als davor, habe aufgesaugt, was neu war, ungewöhnlich.
Da war ich also bei der Geburtsstunde einer Institution dabei, ohne zu ahnen, wie wichtig sie für meine eigene Arbeit werden würde. Erinnere mich an die Rohschnittabnahme von NORDRAND, einen vor Freude springenden Hans König, als wir hören, dass der Film bei den Filmfestspielen von Venedig angenommen ist.
Habe bewegende Publikumsgespräche in Erinnerung, später auch mit Jasmila Zbanic über ihren Film GRBAVICA, und habe mit dem FILMCASINO und Hans König einen treuen Partner für meine Filme gefunden, auch in Zeiten, in denen der Zuschauererfolg nicht mehr so zu erreichen war wie in NORDRAND-Zeiten.

Ende 80er-/Anfang 90er-Jahre: das ist die Zeit meiner filmischen Sozialisation, die ohne dem Filmcasino vielleicht gar nicht auf diese Weise stattgefunden hätte. Wo sonst hätte ich solche Sternstunden des Kinos erleben können, wo sonst das europäische Arthouse-Kino erforschen, das Weltkino entdecken?
Filmcasino, das ist wie ein persönliches Filmtagebuch für mich – und ich vermisse es, jetzt in Berlin lebend, sehr.

Weitere 25 so glänzende, inspirierende und bewegende Jahre, das wünsche ich dem Filmcasino und seinem Team von Herzen!

Barbara Albert (Filmregisseurin)

 
 

Ein Double-Feature von „The Last Picture Show“ (1971) und seiner Fortsetzung „Texasville“ (1990) mit Jeff Bridges u. Cybil Shepherd von Peter Bogdanovic war eines meiner ersten großen Kinoerlebnisse im Filmcasino noch als Filmwissenschafts-Studentin.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Filmcasino bereits nicht nur wegen seiner einzigartigen Architektur, sondern vor allem aufgrund seines innovativen Programms Kultstatus: erstmals konnte man in Österreich beispielsweise gegenwärtiges asiatisches, kanadisches oder dänisches Kino sehen, wurde mit Filmen von RegisseurInnen wie Wong Kar-wai, Takeshi Kitano, Robert Lepage, Atom Egoyan, Patrizia Rozema oder Lars von Trier cineastisch sozialisiert und in völlig neue Bildwelten entführt.

Feministische Filmfestivals wie „Rote Küsse“ und „Mörderinnen im Film“ demonstrierten das starke Bedürfnis, sich auch im Film mit Genderfragen auseinanderzusetzen und wurden zum Hotspot eines jungen weiblichen Publikums. Rotzig, frech und kultig präsentierte sich für mich das Filmcasino und ich war überglücklich, bald darauf meine ersten programmatischen Erfahrungen im Filmhaus Stöbergasse zu machen und etwas später für Polyfilm Verleih auch an der Programmgestaltung des Filmcasinos beteiligt zu sein.

Es sind sehr viele einzelne Momente von Premieren, Matinéen, FilmemacherInnen, unterhaltsamen und anregenden Gesprächen, Freundschaften, die sich gebildet haben, die vor meinem geistigen Auge auftauchen und mein Bild vom Filmcasino als lebendigen Ort der Filmkultur prägen. Unvergesslich bleibt vor allem eine Mitternachtsvorstellung von „Yuppi Du“ und ein Flugticket, das mir meine Polyfilm/Filmcasino KollegInnen als Abschiedsgeschenk bereitet haben.

Ich bin sehr dankbar, dass ich fast ein Jahrzehnt lang das Filmcasino durch diese inspirierende filmische Zeit begleiten durfte und fühle mich auch heute noch an diesem Ort sehr heimelig.

Christa Auderlitzky (Leiterin FILMDELIGHTS)

 
 

Wo sind die acht Jahre an der cinebar zwischen Sportgummis, Libella & Frucade, kleinen Braunen in Lilienporzellan, Martinis und Campari Sodas nur geblieben?
Passiert ist trotzdem viel - da war "Familienbetrieb im Filmcasino" mit Guglhupf und alten Werbefilmen, Single-Abende auf Opas Plattenspieler, Modeschau und Fotoausstellungen im Foyer,  "the Rocky Horror Cinema", Russische Silvester mit legendären Besuchern, Filmen und Getränken, Frühstücksbuffets bei "short cuts & cookies", diverse DJ-Nights, italienische Abende mit Panettone & Ramazotti und andere Veranstaltungen, die in Kooperation mit dem Filmcasino und seinem wunderbaren Team über die Bühne gegangen sind, und - nicht zu vergessen mit einem großartigen Stammpublikum über all die Jahre.
Danke für eine wunderschöne Zeit im Filmcasino!

Karoline Brand (Betreiberin Der Filmcasino cinebar, 2001-2009)

 
 

Als das Filmcasino in seiner wiedergewonnenen Schönheit eröffnet wurde, erinnere ich mich heute sofort an die beiden Frauen Film Festivals „Rote Küsse – Vom Vamp zur Vampirin“ (1990) und „Mörderinnen“ (1992), diese Veranstaltungen waren voller ungewöhnlicher, auch experimenteller Filme und  Publikumsmagneten. Genderpolitisch bewegt, von Symposien begleitet, glanzvoll der Rahmen, heiter die Stimmung. 

1990 war auch das Gründungsjahr von sixpackfilm und schon nach wenigen Jahren wollten auch wir im schönsten Kino der Stadt veranstalten. Das sympathische Team um Christine Dollhofer, Hans König und später Sudabeh Mortezai hat uns immer mit offenen Armen – auch bei sperrigen Programmierungen – willkommen geheißen. Ein Höhepunkt unserer Zusammenarbeit war zweifellos die Filmschau „Frauen und Wahnsinn im Film“ - 1998 von Wilbirg Brainin-Donnenberg und Astrid Ofner kuratiert.

Der Umstand, dass viele der Werke, die sixpackfilm erfolgreich an die internationalen Filmfestivals vermittelt hat, oft am Wiener Publikum vorbeizogen, wurde daraufhin nachhaltig verändert. Von 1998 – 2003 programmierten wir die „Home Stories – Filme aus Österreich“ und das Filmcasino war jeden ersten Freitag des Monats langjähriger Gastgeber. Wir präsentierten Kurzspielfilme, Dokumentarisches, die Avantgarde, Brandneues und Schätze aus der Vergangenheit, Werkschauen und themenzentrierte Abende. 

sixpackfilm und das Filmcasino sind ein gutes Stück des cinephilen Wegs gemeinsam gegangen, schön und erkenntnisreich war’s! Herzlichen Glückwunsch zum 25. Geburtstag, auf ein langes Kinoleben!

Brigitta Burger-Utzer (Leiterin sixpackfilm)

 
 

"Publikumshighlights waren Tex Avery,  Aardman Animation, Hong Kong In Motion (unvergesslich als dann bei den Spätvorstellungen auch in Wien lebende und in den Chinarestaurants arbeitende Chinesen direkt nach der Arbeit noch gekommen sind), die erfolgreichen Sonntagsmatineen mit österreichischen Kurz-, Avantgarde- und Dokumentarfilmen, die überaus beliebten Sommerkinoprogramme (damals gab es in Wien noch keine/wenige Open Air Kinos) und unzählige Kooperationen mit der Viennale u.a. FilmveranstalterInnen. Weihnachten und Neujahr gab’s Spezialveranstaltungen für alle X-mas-muffeln, all das bleibt unvergesslich.
Unvergesslich bleibt auch der Tag an dem das Gesamtwerk von Michelangelo Antonioni aus Italien im Kinofoyer angeliefert wurde – ein riesiger Berg an 35mm Kopien, das gesamte filmische Oeuvre – das Lebenswerk eines der bedeutendsten Filmschaffenden seiner Zeit – und Tage später kam dann der Maestro selbst gemeinsam mit Maria Schneider (Hauptdarstellerin in Antonionis  Professione: Reporter / The Passenger).
Auch Billy Wilder und viele andere Filmpersönlichkeiten haben das Filmcasino in diesen Jahren persönlich beehrt.

Das Filmcasino konnte sich – als eines der wichtigsten Programmkinos (mit Coolnesscharakter!) in Wien etablieren und hat auch maßgeblich zur Aufwertung des Margaretenviertels im 5. Bezirk beigetragen.
Das Filmcasino war und ist ein architektonisches Kinokleinod und wird hoffentlich auch noch lange ein Tempel für Filmbuffs in Wien sein.
Für mich war es eine wunderbare Spielwiese Kinoleidenschaft auszuleben, ein Arbeitsschwamm (das wird heute nicht viel anders sein...), der einem voll und ganz aufgesaugt hat, aber es waren auch die wichtigsten Lehrjahre für meine weitere berufliche Tätigkeit.

DANKE dafür FILMCASINO und alles Gute für die weiteren 25 Jahre!!!"

Christine Dollhofer (Festivalleitung Crossing Europe, ehemalige Leiterin des Filmcasinos)
 
 

Das Filmcasino ist für mich unweigerlich mit Hans König und seinem Team verbunden. Und Hans wiederum mit der Diagonale 2008:

Nach der Grazer Uraufführung von MEIN HALBES LEBEN und einem völlig überforderten (aber glücklichen) Marko Doringer stand er plötzlich vor mir: ein eigenwilliger Kauz voll stiller Begeisterung der meinte, man müsse sich unbedingt treffen - und zwar bald! Doch wer war diese Person? Ein Kunstprofessor? Filmkritiker? Ein verzweifelter Vater (so wie meiner) eines missratenen Sohnes (so wie ich)? Oder ein freakiger Filmnerd? Es stellte sich heraus: er war letzteres. Und noch dazu Kinoverleiher! Und so saßen wir schon am nächsten Tag zusammen in einem Grazer Innenstadtcafe. Hans erzählte mir von seiner Vision eines großen Kinostarts - der Startschuss für eine erfolgreiche und spannende Zusammenarbeit, die bis heute andauert.

Inzwischen kenne ich Hans als einen Menschen voller Überzeugung, Aufopferungsbereitschaft und Handschlagsqualität. Er hat (nicht nur) mir als damals jungen, unsicheren Filmemacher einen sicheren Hafen geboten für eine Fahrt, deren Ausgang trotzdem immer ungewiss bleibt. Um diese idealistische Arbeit im "Casino des Films" über Jahre kontinuierlich fortzuführen bedarf es einer positiven Form von Sturheit. Ganz klar: Hans König besitzt diese. Und mit Hilfe seines Teams - insbesondere Stefanie Stejskal und Iris Mitrea - mündet diese Energie nicht nur in den Verleih, sondern umso mehr auch ins Filmcasino, das sich für mich durch innovative Filmtradition auszeichnet. Und außerdem: welches Kino kann in Österreich für eine Filmpremiere schöner sein?

Marko Doringer (Filmregisseur, Produzent)

 
 

Das hatte Yo nicht erwartet. Trunken, aber nicht überwältigt von Bildern, die in ihrer Klarheit, in ihrer Bedächtigkeit, in erlesener Abfolge einem Erzählstil entsprachen, der radikaler diese Geschichte bis zu ihrer schwer begreifbaren Wende nicht hätte treiben können - wollte er sich von seinem Platz noch nicht weg bewegen. Gern würde er jetzt mit seiner Tochter über das eben Erlebte reden, tat es auch im Gedanken, als er sich die etwas löchrigen Socken auszog und sie zusammen mit dem eingerollten Polster in sein Kinofach legte. Da kam Su schon fröhlich und ausgelassen auf ihn zugesprungen, er fing sie schwungvoll auf, drehte sich im Kreis - bis er, schwindelig, ihr entzücktes Gesicht, die Bilder des Films und Umrisse des Saals ineinander verschwimmen sah. Sie flüsterte ihm begeistert ein kleines Geheimnis aus dem angrenzenden Spielraum ins Ohr, was ihm half, seine reichen Eindrücke einstweilen sinken zu lassen - bis er sie in neuer Erregung wieder auftauchen lassen könnte, wie einen gehobenen Schatz, den er auch fanatisch würde teilen wollen. Als er, seine Tochter im Arm, ein freies Solar-Velo suchend, die Schwingtüre mit ihren sympathischen Messinggriffen ausließ, sinnierte er, ob eine Kopie, der Filmcasino-Nachbau hier in Hongkou, leidenschaftlich mit eigenem Profil weiterentwickelt, zu einer ähnlichen Kino-Bastion werden könnte - wie das Original in Europa...

Guido Exinger  (Mitbegründer des Filmcasinos)

 
 

Das Filmcasino ist einer meiner Lieblingsorte in Wien. In den letzten 25 Jahren ist es zu einem Ort der Begegnung und der großen Filmkultur geworden. Stammgäste und CineastInnen treffen sich in diesem modernen und urbanen Kino, um große Filme zu genießen. Das wunderschöne und erstklassig bespielte Lichtspielhaus im schönen Margareten bietet mit seinen Veranstaltungen und Themenschwerpunkten einen Treffpunkt für alle Wienerinnen und Wiener. Dabei bleibt das Filmcasino ein Ort des Diskurses und öffnet seine Pforten auch für Initiativen, die sich für ein besseres Zusammenleben einsetzen. Das Filmcasino ist weder aus Margareten, noch aus meinem Alltag wegzudenken! Ich freue mich auf spannende Jubiläumshighlights und ein umwerfendes Kinoprogramm in den nächsten 25 Jahren.

Sandra Frauenberger (Stadträtin)

 
 

Maestro

Unter vielen großen, beglückenden Ereignissen im Filmcasino hebt meine Erinnerung einen Abend besonders hervor. Am 5. Mai 1994, also fast genau vor zwanzig Jahren, begann hier die Retrospektive des Gesamtwerks von Michelangelo Antonioni (1912-2007) – die erste in Österreich. Es war eines der vielen „Viennale Specials“, die Wolfgang Ainberger und ich Mitte der 90er über das Wiener Kinojahr verstreuen durften und von denen mehrere in Zusammenarbeit mit dem Filmcasino stattfanden. Das Glück, alle diese Filme innerhalb von 15 Tagen auf der Kinoleinwand sehen zu können, wurde noch erhöht durch die Nachricht, dass Antonioni selbst – obwohl sehr fragil und seit einem Schlaganfall am Sprechen gehindert – unsere Einladung annehmen und nach Wien kommen würde. So stieg also am 5. Mai um Fünf nach Sieben vor dem Haus Margaretenstraße 78 einer der größten Meister, die dieses Metier je gesehen hat, ganz vorsichtig aus dem Auto – unterstützt von seiner Frau Enrica und einem seiner Stars, die er zu diesem Anlass mitgebracht hatte: Maria Schneider, Hauptdarstellerin von Professione: Reporter (1975). Jack Nicholson, der andere Hauptdarsteller, besaß damals die Rechte an dem Film und hielt ihn seit vielen Jahren zurück. Auf Antonionis Bitte hatte er uns die Genehmigung erteilt, Professione: Reporter zur Eröffnung zu zeigen. „But only because Michelangelo is coming.“

Der Maestro und die beiden Ladies betraten also das menschenleere, schon halb abgedunkelte Filmcasino-Foyer, begleitet von Alessandra Thiele und Elga Reiter, die das Projekt und die Gäste betreuten. Und Enrica übersetzte uns den verschmitzten „Text“, den Antonioni in seiner Blick- und Zeichensprache angesichts der geisterhaften Situation formulierte: „Interessiert sich wirklich gar niemand für meine Filme?“

Eine Minute später, beim Betreten des Kinosaals, standen 255 Menschen auf und bereiteten Michelangelo Antonioni einen Empfang, auf den ich bis heute stolz bin (man fürchtet sich ja immer ein bisschen davor, dass das „eigene“ Publikum die Leistungen der Gäste, die man eingeladen hat, nicht ausreichend zu schätzen weiß). – Seither glaube ich fest daran, dass es in Wien doch so etwas wie eine wirkliche Kino-Passion gibt, oder geben kann. Sie standen zehn Minuten, er stand zehn Minuten, gestützt von Enrica, und niemand sagte ein Wort. Aber es war laut und herzlich und richtig: Keine Sprechsprache hätte besser sagen können, was zu sagen war. Zwei Stunden später, als der vielleicht aufregendste, radikalste Film, den Antonioni je inszeniert hat, zu Ende war, wiederholte sich das Schauspiel.

Ein paar Tage später, als wir gemeinsam einen Empfang der Wiener Festwochen besuchten (anlässlich einer Shakespeare-Inszenierung von Peter Zadek, die ich nach 45 Minuten verließ, um im Filmcasino noch Cronaca di un amore zu erwischen), wurden wir von Antonionis Freundin Elisabeth Plessen dem dicht umringten Star dieses Theaterabends vorgestellt. Und Gert Voss wusste, was sich gehört: Auch er brauchte keine Worte, um der versammelten Theatergemeinde zu vermitteln, an wen er seinen virtuellen Lorbeerkranz gerne weiterreichen würde. Er ging vor Michelangelo Antonioni einfach in die Knie.

Alexander Horwath (Direktor Österreichisches Filmmuseum)

 
 

"Manche Kinos sind eben einfach nur Kinos, Multiplexe gehören dazu oder schlichte Abspielstätten ohne viel Atmosphäre. Einige rare Kinos aber sind nichts weniger als Tempel der Filmkunst. Dazu gehört ohne Zweifel das Wiener Filmcasino. Schon wenn ich das wunderbare Foyer betrete, überfällt mich eine Art Heimerlebnis. Seit Jahrzehnten komme ich hierher, um die unterschiedlichsten Filmwerke zu erleben, oft welche von Freunden. Und immer schon macht mir die einzigartige, nostalgisch gefärbte Stimmung  des vorbildlich gestalteten und erhaltenen Raums mentalen Appetit auf das kommende Kinoereignis. Es riecht hier, schmeckt hier nach Filmgenuss, der Blick genießt Filmplakate und Ambiente in großer Vorfreude.  Mit Grausen erinnere ich mich daran, dass dieser  schöne Ort einmal von schnöden kommerziellen Interessen bedroht war und einer Supermarktkette hätte weichen sollen. Eine beherzte mediale Aktion von uns Journalisten hat dazu beigetragen, dass es dazu nicht kam. Man sollte sich vor Augen halten: je älter es wird, desto kostbarer ist dieses Filmcasino. Drum wünsche ich ihm vorläufig mindestens 25 weitere, erfolgreiche Jahre."

Rudolf John (Kolumnist Wienlive, Kurier, Wiener Bezirkszeitung)

 
 

Ich freue mich, dass meine Filme LA STANZA DEL FIGLIO, IL CAIMANO und HABEMUS PAPAM im Filmcasino ihre Premieren feiern konnten und sie in diesem wunderschönen und mit Liebe geführten Kino eine Heimat und ein begeistertes Publikum gefunden haben.

Alles Gute zu den ersten 25 Jahren  - möge der Enthusiasmus im und um das Filmcasino auch in den kommenden Jahren anhalten und weiterwachsen!

Nanni Moretti (Filmemacher)

 
 

Das Filmcasino ist ein Ort ganz besonderer Kinoerinnerungen für mich, zunächst als Kinogeherin, und später zwischen 1997-1999 drei Jahre lang als Kinoleiterin. In der Erinnerung verschwimmen jetzt die Erlebnisse, einzelne Episoden tauchen wie Schlaglichter auf:

1997: Christoph Schlingensief, wie er am Tonregler dreht, bis zum Anschlag, weil er will, dass die 120 Tage von Bottrop dem Publikum das Hirn rausfetzen.
1998: Die wunderbare Filmreihe „Frauen und Wahnsinn im Film“ kuratiert von Wilbirg Donnenberg und Astrid Ofner und mein 30. Geburtstag, an dem ich natürlich arbeite und den wir gemeinsam im Tampopo nebenan feiern.
Und überhaupt die unendlich vielen Udon-Suppen von Tampopo an langen Premierenabenden im damals kulinarisch noch unterentwickelten Margareten, lange bevor es zum Bobo-Paradies wurde.
1996: Eine Überdosis Nouvelle Vague
Immer wieder volles Haus bei Wallace & Gromit im Sommerkino.
Die erste Begegnung mit Lars von Triers Kino als Kinogeherin: Breaking the Waves, ich verlasse das Filmcasino aufgewühlt und ein bißchen seekrank wegen der fahrigen Handkamera. Später, in meiner Zeit als Kinoleiterin, gehören die Dogma 95-Filme Idioterne & Festen zu den vielen großen Publikumserfolgen.
Auch Wong Kar-Wai und Atom Egoyan werd ich immer mit dem Filmcasino assoziieren.
Doch die Hauptemotion, die zurückbleibt, ist die familiäre Atmosphäre, die vom Stammpublikum und einem cinephilem Team getragen wird. Möge das auch für die nächsten 25 Jahre gelten. Happy birthday Filmcasino!

Sudabeh Mortezai (Filmregisseurin, ehemalige Leiterin des Filmcasinos)

 
 

Wenn ich an das Filmcasino denke, habe ich zuallererst wohl tatsächlich ein Bild des Ortes vor Augen. Ein Kino, eingebunden in ein Grätzel, dieses großartige Foyer und der Saal mit seiner angenehmen Größe. Doch so schön das Filmcasino ist, erinnere ich mich doch vor allem daran, wie toll ich es nach meinem ersten Besuch fand, dass es sich nicht einer nostalgischen Stimmung ergab, sondern ein lebendiger Ort war, dem zeitgenössischen und manchmal zukunftsweisenden Kino verpflichtet. Unzählige Filme habe ich dort gesehen, glücklicherweise immer in Originalfassung. Es gab viele besondere Momente, Highlights waren Hongkong in Motion, die Festivalstimmung während identities oder auch Hundstage Welten, die sich eröffnet haben, Kinoerinnerungen, die bleiben.

Das Filmcasino war aber auch einer der Orte, an dem ich noch als Studentin Arbeitserfahrungen sammelte. Das Viennale-Special Nouvelle Vague 1996, bei dem ich für die Recherche und Beschaffung der Filmkopien verantwortlich war, war für mich prägend: Damals lernte ich die wunderbare Frieda Grafe kennen, die die Schau zusammenstellte, ihre Begeisterung für das Kino, ihre Klugheit und Freundlichkeit sind mir unvergessen. Diese Schau war auch ein Weckruf in Bezug auf die materielle Flüchtigkeit des Mediums. Sogar Kopien bekannter und im Kanon etablierter Filme waren teilweise kaum noch aufzutreiben und die vielen Telefonate mit Größen des französischen Kinos haben meine Französischkenntnisse jedenfalls bis an ihre Grenzen gebracht.

Im Filmcasino habe ich auch die damals noch nötige Prüfung als Filmvorführerin gemacht. Nur ein einziges Mal erlebte ich während einer Vorführung einen Filmriss und die Erinnerung an diesen Adrenalinschub ist ebenso bleibend wie der immerwährende Respekt vor den Menschen, die einen Film so vorführen können, wie er vorgeführt werden soll Kino eben.

Das Filmcasino war und ist ein besonderer Ort, eines der Kinos, in die man immer wieder und immer wieder gerne geht, die Teil des Kinoalltags bleiben. Solche Kinos sollte es mehr geben und es ist schön, dass eines davon seinen 25. Geburtstag und hoffentlich noch viele weitere feiern kann. Alles Gute Filmcasino!

Barbara Pichler (Festivalleitung Diagonale)

 
 

Das von mir im Jahr 2000 ins Leben gerufene Akkordeonfestival hat zwar, dem Namen gemäß, einen klaren programmatischen Focus, das Akkordeon und seine Möglichkeiten, mit der Musik als ebenso klaren Kern- und Ausgangspunkt. Dennoch verstehen sich das Akkordeonfestival (und meine anderen Aktivitäten) als Ausdruck eines umfassenderen Kulturverständnisses (im Sinne der Lebensbereicherung und permanenten Horizonterweiterung Richtung einer besseren Welt) und sind dadurch mit vielen korrespondierenden „Gefäßen“, lokal, national und international, in freundschaftlicher Verbindung, oft durch konkrete Zusammenarbeit, oft durch geistige Verbundenheit.

In Bezug auf das Filmcasino ist es mir – und ebenso den auftretenden Künstler_innen und dem Publikum – eine große Freude, dass wir im Rahmen des Festivals gemeinsam die Stummfilm-Matinee realisieren können. Das passt einfach 100%ig, was im Veranstalter-Alltag keine Selbstverständlichkeit ist. Und seltsam, an diesem Ort, an dem Filme in ihrer ganzen Vielfalt – die hierzulande entstandenen ebenso wie die aus der großen, weiten Welt, die, die uns in unseren Seelen zutiefst erschüttern ebenso wie jene, die es etwas heiterer angehen – in sorgfältiger Auswahl gezeigt, geliebt und respektiert werden, wird auch der Musik so begegnet ...

Darum ist die (Vor-)Freude aufs nächste Vierteljahrhundert Filmcasino nicht nur meinerseits riesig – ebenso wie die Hochachtung vor der in den ersten 25 Jahren geleisteten Arbeit!

Friedl Preisl (Leitung Akkordeonfestival)

 
 

Filmcasino – das brand in eigener sache ...

Kinogeschichte war immer auch eine geschichte der orte, die mit dem erlebnis film verknüpft wurden – manchmal waren diese verknüpfungen besonders charakteristisch und der ort wurde zum erinnerungsträger.

Das filmcasino schien als einer dieser orte – wenn auch zum zeitpunkt der „wiederentdeckung“ gar nicht mehr in betrieb als kino.

Nicht nur war es als prototypischer träger vom raumerlebnis kino geeignet wie selten ein ort, auch die vorhandene substanz vor allem in formalen details der ausstattung und in ihrem gesamteindruck – weniger im erhaltungszustand – war geradezu ideal, nicht nur den raum, sondern auch ein gesamterlebnis kinobesuch wieder zu installieren.

Was dann geschah, kann man als die glückliche verbindung zwischen genius loci und inhaltlicher programmierung ansehen. tatsächlich hat die hervorragende programmierung dieses kino auch als ort hohen qualitätsanspruchs neu begründet und dadurch auch die sensibilität für das kino als lebensraum neu geweckt.

Immer öfter erschienen bilder von der architektur des filmcasinos als synonym für ein spezielles lebensgefühl. das lebensgefühl eines urbanen aufgeschlossenen, neugierigen (ewig) jungen und sinnlichen menschen.

Ein erstklassiges brand ist entstanden, wie man es nicht besser ausdenken könnte.

Nun ist es an der zeit dieses brand in eigener sache einzusetzen. nach 25jähriger erfolgreicher bespielung ist das filmcasino ein spielort, der zum synonym für kino geworden ist – was könnte es besseres als argument für programm und architektur geben – ein brand in eigener sache.

Elsa Prochazka  (Architektin, verantwortlich für die Restaurierung des Filmcasinos 1989)

 
 

Seit neun Jahren haben wir das große Vergnügen, immer im Umfeld der INTERNATIONAL ANIMATION DAYS im Herbst unser ONE DAY ANIMATION FESTIVAL im großartigen Rahmen des FILMCASINOs abhalten zu dürfen.
Die Stimmung ist immer besonders freundlich und feierlich (wie auch die beteiligten KünstlerInnen immer wieder unterstreichen), und nachdem das Kinoteam für unsere manchmal leicht ausgefallen Ideen immer sehr aufgeschlossen und kooperativ ist, wird dieser Tag/Abend immer zu einem rauschenden Fest, gerne bis nach Mitternacht!

Danke vielmals für die tatkräftige Unterstützung für ASIFA Austria, die seit fast 30 Jahren Arbeit für die Kunst der Animation aus Österreich leistet!

Thomas Renoldner (Filmschaffender, Kurator und Lehrbeauftragter für Animationsfilm)

 
 

25 Jahre Filmcasino. Heimkino einer Wahlwienerin.

Mit einem Wort, das Filmcasino war (und ist) ein Kino von Weltklasse, cinephil, vielfältig, aufregend und doch so entspannt, egal ob nun große Premieren mit Stars oder zahllose Entdeckungen (die jetzt international bekannt und berühmt sind) im so schönen wie vertrauten 50er Jahr-Ort zu erleben waren.

Und es war Ausgangspunkt für die unverschämte Idee, auch Filme präsentieren zu wollen, die international gerade angesagt waren, aber es nicht auf die heimische Leinwand schafften, die Idee, ein Festival zu gründen, Filme und herausfordernde Themen gemeinsam zu erleben, darüber nachzudenken, zu diskutieren, zu streiten und hoffentlich auch glücklich zu sein und zu lachen und vielleicht so Gesellschaft gemeinsam zu verändern. Etwas bewegen auf der Leinwand und in den Köpfen und Herzen von den vielen Filminteressierten dieser Stadt. Aus der Idee ist ein lebhaftes, wachsendes und spannendes Festival geworden, das ohne das Filmcasino nicht sein kann und will.

Happy Birthday Kinojuwel - auf mindestens noch 25 Jahre

Barbara Reumüller (Festivalleitung identities - Queer Film Festival Wien)

 
 

Das Filmcasino ist für mich mehr als ein Kino, in dem mehrmals am Abend das Licht ausgeht und wir in die wunderbaren Geschichten auf der Leinwand eintauchen.

Im Filmcasino habe ich zum ersten Mal Regisseurin Ulrike Ottinger über die Liebe zu ihrer Arbeit reden hören und habe atemlos dem Filmemacher Peter Kern gelauscht, wie er sich über uns, das Publikum, und sich selbst lustig macht. Als ich die Seiten gewechselt habe - von den Sitzreihen auf die Bühne - stand ich dort mit meinen Filmen "Tintenfischalarm" und "Meine liebe Republik". Jeder Film braucht ein zu Hause, von dem aus er die Welt erobert. Für meine Filme war es oft schon das Filmcasino. Danke dafür!

Elisabeth Scharang (Filmregisseurin, Drehbuchautorin, Moderatorin)

 
 

In einer Zeit, in der das Kino als Ort zu verschwinden droht, war und ist das Filmcasino in Wien eine der letzten Bastionen einer Filmkultur, die sich nicht ausschließlich der Kommerzialität verschrieben hat.

Über die Jahrzehnte bin ich immer wieder ins Filmcasino gegangen und über die Jahrzehnte habe ich dort,  in einem der schönsten alten Wiener Kinos, Filme gesehen, die ich sonst nicht gesehen hätte. Danke für diesen Mut, danke für diese Ausdauer.

Ulrich Seidl (Regisseur, Drehbuchautor, Produzent)

 
 

"das filmcasino ist ein refugium für mich. wenn ich das wunderschöne foyer betrete, fühle ich mich geborgen, inspiriert. von den menschen hier  habe ich von anfang an respekt und unterstützung bekommen, dafür bin ich dankbar. Hier habe ich nicht nur meine eigenen filme erstmals im kino gesehen, im rahmen von testscreenings, mit pochendem herzen und schwitzenden händen. hier habe ich auch wundervolle kinomomente erlebt, wie etwa einst in einem sommerkino special durfte ich marilyn monroe in das verflixte 7.jahr auf großer leinwand sehen. bei jedem kader ein enormes glückgefühl. als erwachsene verstanden, was den filmstar meiner kindheit, marilyn, so anbetungswürdig gemacht hat. erst auf der leinwand im filmcasino sind ihre ausstrahlung und ihr humor vollends zur geltung gekommen. ein erlebnis! auch: river phoenix in a thing called love oder dog fight in den 90ern im filmcasino. mir gewünscht, diese filme würden nie mehr aufhören.. ganz besonders für mich war die premiere von viennas lost daughters 2007 im filmcasino. Die protagonistinnen meines films, allesamt 1938 aus wien vertrieben, als jüdische kinder und teenager geflohen, waren  als etwa 80jährige ladies, die ihr leben in NY gemacht haben, wieder da. in wien. in filmcasino. vor jungem publikum, das sie mit standing ovations in ihrer ehemaligen heimat wieder aufgenommen hat. da hat es tränen gegeben und große emotionen. ich erinnere mich an den bis zum letzten platz gefüllten kinosaal und dachte mir damals : es gibt gerade keinen besseren ort. danke filmcasino. du sollst noch lange zeit so schön und so lebendig bleiben."

Mirjam Unger (Filmregisseurin und Radiomoderatorin)

 

 

My Own Private Filmcasino

Mein Highlight aller Highlights: Im Juli 1995 durfte ich für die Viennale ein Special mit den größten Knüllern des damals aktuellen Hongkong-Action-Kinos programmieren (plus ein, zwei tränentreibende Melodramen). Die Skeptiker waren skeptisch, wie immer. Und dann das: Drei Vorstellungen täglich, eine Woche lang, und nahezu alle waren ausverkauft. Schlangen an der Kinokasse, mehrmals mussten Leute weggeschickt werden. Zwei Mal mussten um Mitternacht Zusatzvorstellungen eingeschoben werden. Besonders erfreulich: auch die in Wien lebenden Chinesen kamen zahlreich ins Filmcasino. Kinder liefen im Kino herum (eine gute chinesische Sitte, die Kinder ins Kino mitzuschleppen), ein strenger Herr drohte mit einer Anzeige wegen Vernachlässigung des Jugendschutzes. Mehr als 7.000 Zuschauer in einer Woche. Die aus Hongkong angereiste Dame vom Filmverleih Media Asia war fassungslos – und auch darüber, wie lückenlos die Stadt mit den wunderbaren Querformat-Plakaten (entworfen von Lendl & Ulbl) zugepflastert war.


Auf weitere 25 Jahre!

Andreas Ungerböck (Kurator, Herausgeber [ray Filmmagazin])

 
 

"Meine junge Liebe zum Filmcasino ist sehr alt.
Zu einer lebendigen und qualitätsvollen Stadt- und Filmkultur gehört eine vitale, innovative und anspruchsvolle Kino-Landschaft mit interessanten Programmkinos wie dem Filmcasino, ein nostalgisch-architektonisches Schmuckkästchen aus den 1950er Jahren, beinahe im Originalzustand.
Filme an einem ungewöhnlichen Ort und Raum – mit einem ästhetischen Kinosaal, Buffet und Foyer – zu erleben, bedeutet die Wahrnehmung auf Architektur zu schärfen, sowohl was sich auf der breiten Leinwand als auch im Zuschauerraum abspielt. Jedenfalls bietet mir das stilvolle Ambiente des Filmcasinos die entsprechende Einstimmung zu einem außer- und gleichzeitig ungewöhnlichen Kinoerlebnis und es bietet zudem neue, überraschende Einsichten und Perspektiven, die so bisher nicht bei einer Filmvorführung gesehen wurden.
Es ist unbestritten, dass es bei jeder Betrachtung und Rezeption eines Spiel-, Trick- oder Dokumentarfilms sowohl Erlebbares als auch Erlernbares gibt. Mittlerweile zum einzigen „Architekturkino“ der Stadt avanciert, bin ich den engagierten und unterstürzenden Mitarbeitern des Betriebes bemüht, das Schönste, Feinste und Qualitätsvollste im Genre der Stadt- und Architekturfilme aus der Geschichte bis zur Gegenwart zu präsentieren.

Das Ziel eines anspruchsvollen Kinos wie dem Filmcasino scheint mir kein anderes zu sein, als den wissbegierigen Menschen unserer stumpfen, banalen und langweiligen Zeit zu seiner Entelechie, d. h. zur Entfaltung seiner geistigen und künstlerischen Kreativität anzuregen. Um diese optischen, seelischen sowie haptischen Sinneswahrnehmungen zu animieren, braucht es Energien und Simulatoren, die man zur Selbstverwirklichung sowohl in der Kunst als auch im Leben braucht. Unter einer Entelechie verstand man einst die Eigenschaft von etwas, sein Ziel (telos) in sich selbst zu orten und im Geist und Körper (body & soul) zu verwirklichen. Das ist mir bei meinen Projekten im Margaretener Filmcasino bestens gelungen."

Helmut Weihsmann (Architekturhistoriker und Kurator der Reihe „Arch.Film-Matinée“)

 
 

Sonntag im Kino

Schon 25 Jahre und sogar noch länger dauert unsere Beziehung! Die begann schon mit den Vorführungen in der Stöbergasse. Auch wenn nun das wunderbare Kino in der Margaretenstraße selbst sein Jubiläum feiert, so ist es nicht der materielle Kinoraum, der uns verbindet, sondern die filmischen Erfahrungswelten, die uns in unserem weiteren Verständnis von Kino und Filmvermittlung beeinflussten. Später, im Filmcasino selbst, hatte das französische Kino, Jacques Rivette, Eric Rohmer, Alain Resnais, Claire Denis, André Téchiné, eine Heimat gefunden und wir darin einen Platz, an dem wir uns zuhause fühlten.


Später wurden wir von Hans eingeladen, eine regelmäßige Kurzfilm-Matinee zu gestalten. Short Cuts & Cookies. Kaffee, Kuchen, Kurzfilme, Kommentare. Die zwei-wöchentliche Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit Synema, Gesellschaft für Film und Medien fand von April bis Dezember 2001 statt. Die Sonntage im Filmcasino waren vergnüglich und diskursanregend. Den Tag noch ein bisschen verschlafen mit einem gemeinsamen Frühstück im Foyer zu beginnen und dann im dunklen Bauch des Kinosaals zu verschwinden ­– was gab es Schöneres. All das, was Kino eben auch ist, fand hier einen Ort – gemeinsam schauen, darüber sprechen, diskutieren, analysieren, genießen.

25 Jahre sind kein Alter, erzählen aber ein beachtliches Stück Kinogeschichte, liebes Filmcasino.

Judith Wieser-Huber (Leitung Kino unter Sternen) & Ralph Wieser (Produzent, Veranstalter der Reihe Short Cuts & Cookies im Filmcasino)

 
 

Kino als Passion. Das fällt mir als Erstes ein, wenn ich an 25 Jahre (was, schon?) Filmcasino denke. Also erst einmal nicht: das schöne Kinofoyer und der eigenwillige Kinosaal. Die gehören zum Besten in der Stadt und das ganze wunderbare Ambiente sucht seinesgleichen, keine Frage. Aber was zählt, was ein Kino ausmacht, ist die Leidenschaft in der Programmauswahl und die hat das Filmcasino zu dem gemacht, was es ist: ein Kino für das Ungewöhnliche, Untypische, Unerwartete. Anders gesagt: Ein Ort der ungebrochenen Neugier.

Als Zweites kommt zwangsläufig in den Sinn: Es ist schon ein kleines Wunder sein, daß so ein Kino überhaupt überleben konnte in den Mühlen des Alltag. Seit 25 Jahren navigieren das Filmcasino und Hans König, der stille Lotse im Hintergrund, bewundernswert zwischen Ökonomie und Idealismus. Auf sympathische Art hat sich das Filmcasino seine Skepsis gegenüber dem Arthouse-Mainstream bewahrt und es ist in ganz eigener Weise zeitgemäß geblieben.

Vielleicht deshalb, dies ein Drittes, haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt: Zunächst, ungezählte Male, als Kinogeher (wo beginnen, wo aufhören in den Erinnerungen der „großen Kinoerlebnisse“?); später als Veranstalter vieler Filmreihen, anfangs zum Kurz-, später zum Dokumentarfilm, die im Filmcasino ganz selbstverständlich ihren Platz finden konnten (Elfi Mikesch! Nicolas Philibert!, Peter Liechti! Sergey Dvortsevoy! Rithy Panh!); und schließlich habe ich das Filmcasino „von der anderen Seite, als Filmemacher, schätzen gelernt mit meinem eigenen Film IN DIE WELT, der bei Hans König und dem Filmcasino-Team ganz besonders gut aufgehoben war.

Das Filmcasino hat viele Gründe, um auf sich und ein Vierteljahrhundert Hingabe für eine gute Sache stolz zu sein - zu feiern gibt es jedenfalls für alle wirklich was!

Constantin Wulff (Filmschaffender, Kurator und Lehrbeauftragter für Dokumentarfilm)